Im Rahmen von "Jugend-Schule-Wirtschaft"
mit der Népszabadság und der Süddeutschen Zeitung waren Gyönker Projektteilnehmer
am 6. November 2002 zum Interview mit Wolfram Klein, dem Geschäftsführer der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer eingeladen.
An dem Gespräch nahmen seitens der DUIHK Wolfram Klein und Carsten Hendrych,
von der Gyönker Projektgruppe Valeria Juhász, Gerald Hühner, Heni Merkl, Beatrix Reitzi und Szilárd Wilhelm teil.

Fotos vom Interview in der DUIHK, Budapest















Fotos: Gerald Hühner


Texte erschienen in der Népdszabadság (ungarisch), 23.12.2002 und in der "NEUEN ZEITUNG - Ungarndeutsches Wochenblatt", Nr. 2/2003:

Die größte bilaterale Organisation in Osteuropa
- Interview mit dem Geschäftsführer der DUIHK, Wolfram Klein -
6.November 2002, 14. 00 Uhr, Budapest


"Zu Ihrem Projekt "Jugend-Schule-Wirtschaft" kann ich Ihnen wirklich nur gratulieren: Ich hatte als Schüler keine Chance, mich so intensiv mit Wirtschaft zu beschäftigen. Heute weiß ich, wie spannend das ist: Es ist nie langweilig!"
Wolfram Klein muß es wissen: Der 46jährige Wirtschaftsjurist aus Bremen leitet seit August 2002 die Deutsch-Ungarische Industrie- und Handels-kammer. Eine besondere Aufgabe, denn in 75 Ländern der Erde gibt es 117 Auslands-Vertretungen der deutschen Wirtschaft, davon sind 65 Kammern. Und die DUIHK gehört unter diesen zu den 5 größten. Sie ist sogar die größte bilaterale Wirtschaftsorganisation in Osteuropa, denn "die deutsche Wirtschaft hat ein sehr großes Interesse an der ungarischen Wirtschaft!" Der Handel zwischen den beiden Ländern ist sogar größer als der zwischen Deutschland und ganz Südamerika; insgesamt steht Ungarn an 15.Stelle der deutschen Handelspartner. "Die Arbeit der DUIHK in Budapest bezieht sich im Wesentlichen auf drei Ebenen:
1. Interessenvertretung der Mitglieder der Kammer, so z.B. bei Zoll-Problemen
2. Organisation des Dialogs mit der deutschen und ungarischen Politik, so z.B. in Fragen der Konjunktur im bilateralen Umfeld (Export-Import-Kreisläufe)
3. Förderung der Kooperation zwischen Unternehmen, so z.B., wenn deutschen Firmen an einer Niederlassung in Ungarn interessiert sind."
Die DUIHK hat zur Zeit ungefähr 1000 freiwillige Mitgliedsunternehmen, diese repräsentieren 40% des BIP. Zum Vorstand der Kammer gehören z.B. die Chefs von eon, Siemens und MOL.
Insgesamt, so Klein, dürften z.Zt. 1400-1500 deutsche Firmen in Ungarn tätig sein. Unter den 35 größten Investoren in Ungarn sind allein 8 deutsche Firmen. Dabei ist die deutsche Telekom der größte Investor in Ungarn überhaupt.
Selbstverständlich spielt die Wirtschaft auch eine große Rolle bei der europäischen Integration. "Die DUIHK unterstützt Ungarns Beitritt zur EU auf 2 Ebenen:
1. Übernahme gemeinsamer Rechtsnor-men, hier ist ein großer Wandel durch Gesetzesänderungen erforderlich.
2.Verwaltungsstrukturen müssen geschaffen werden, um diese Rechtsnormen umzusetzen.
Aber wichtig ist auch die berufliche Aus- und Fortbildung: Hier muß der Staat bestehende Strukturen ändern, um auch auf das Duale System umzustellen:
Praktische Ausbildung in einem Betrieb und theoretische Ausbildung in einer Berufsschule. Die DUIHK steht deshalb im Dialog mit der ungarischen Regierung, um bei dieser Umstrukturierung zu helfen.
Aber wir machen auch mit dem Deutsch-ungarischen Bildungszentrum auch ein praktisches Angebot: Hier erfolgt die Ausbildung nach dem Dualen System. Die hier erzielten Berufsabschlüsse werden dann sowohl in Deutschland als auch in Ungarn anerkannt."
Die deutsche Wirtschaft sieht Ungarns EU-Beitritt übrigens "eindeutig positiv! Man hätte diesen Beitritt lieber heute als morgen! Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft halten die geplanten Übergangsfristen auch für zu lang und wettbewerbswidrig; die Praxis werde zeigen, dass diese nicht so lange wie geplant bestehen werden ."
Und die Arbeitslosigkeit? "Das ist ein sehr großes Problem, für das es keine einfache Lösung gibt. Bedenken Sie nur: In Ungarn liegt die Arbeitslosenquote z.Zt. zwischen 5,3-5,8%. In Deutschland ist sie fast doppelt so hoch!
Die Chance, dass Ungarn zum EURO-Raum beitritt, sieht Wolfram Klein allerdings aufgrund des Haushaltsdefizits nicht so gut:
"Sowohl die alte als jetzt auch die neue Regierung haben Wahlversprechen gemacht, die sie einhalten mussten. Jetzt sind die Kassen leer und das Defizit ist zu groß, um dieses EURO-Kriterium zu erfüllen. Aber ich denke, Ungarn sollte noch nicht so bald beitreten, der Konkurrenzdruck für die Wirtschaft wäre zu groß."
Fazit unseres langen Gesprächs: >br> "Wirtschaftsbeziehungen sind auch deshalb wichtig, weil sie Menschen zusammenbringt, die sich dadurch besser kennen lernen!"(Klein) Wir haben das in der DUIHK hautnah erfahren!

Valeria Juhász
Beatrix Reitzi
Heni Merkl
Szilárd Wilhelm
JSW-AG, Gyönk




Im Rahmen von "Jugend-Schule-Wirtschaft"
mit der Népszabadság und der Süddeutschen Zeitung waren Projektteilnehmer
aus Gyönk und Isny/Allgäu
am 3.April 2003 zum Interview mit Günther Lander, Mitarbeiter in der Außenwirtschaftsabteilung
der Industrie- und Handelskammer der Region Stuttgart eingeladen.
An dem Gespräch nahmen beide Projektgruppen mit ihren Projektlehrern teil.

Fotos vom Interview in der IHK, Region Stuttgart:



Günther Lander steht Rede und Antwort:





Fotos: Gerald Hühner



Ein Interview-Text erschien in der "NEUEN ZEITUNG - Ungarndeutsches Wochenblatt" (25.April2003):

"Die deutsche Wirtschaft sieht Ungarns EU-Beitritt sehr positiv!"
Interview mit Günther Lander, IHK der Region Stuttgart

Im Rahmen unseres Projekts "Jugend-Schule-Wirtschaft (JSW)" besuchten wir am 3.4.2003
die IHK in Stuttgart. Mit dabei: 15 JSWler aus Gyönk, 26 aus unserer Partnerschule in
Isny/Allgäu und unsere Projektlehrer Timea Horváth, Gerald Hühner (Gyönk) und
Gerhard Kimmerle (Isny). In der IHK hatten wir Gelegenheit zu einem Interview mit
Günther Lander. Lander (64) arbeitet seit 1988 in Stuttgart. Er ist von Beruf
Maschinenbauingenieur und heute bei der IHK der Region Stuttgart verantwortlich
in der Außenwirtschaftsabteilung für Ost-Europa, also auch für Ungarn.
Die IHK Stuttgart wurde 1855 gegründet, 1991 wurde sie umbenannt in IHK Region Stuttgart.
Sie hat 8 Abteilungen, Handel und Verkehr, Industrie, Berufsausbildung, Außenwirtschaft,
Recht und Steuern, Datenverarbeitung, Personalabteilung, Geschäftsführung. Die IHK
beschäftigt 320 Leute und hat über 125.000 Mitglieder, kleine und mittlere Betriebe,
aber auch Großunternehmen wie z.B. Daimler oder Bosch sind dabei. Es gilt
Pflichtmitgliedschaft. Jedes Unternehmen hat das gleiche Mitspracherecht, unabhängig
von seiner Größe und Finanzkraft. Drei ungarische Firmen sind im Bereich der
IHK Region Stuttgart tätig; derzeit arbeiten 6OO-7OO ungarischer Arbeitnehmer
in dieser Region.

Herr Lander, lassen Sie uns kurz über deutsch-ungarische Beziehungen sprechen:
Haben Sie selbst persönliche Kontakte nach Ungarn?

"Es gibt einen Austausch auf Kammerebene. Im Jahr 2000 war ich in diesem Zusammenhang in
Budapest und 2001 in Székesfehérvár und Szekszárd zu Gesprächen mit Wirtschaftsvertretern.
170 Firmen aus der Region Stuttgart sind bereits in Ungarn aktiv und viele Firmen fragen
nach Kontakten. Die Kammer hat eine wichtige Rolle in den deutsch-ungarischen
Wirtschaftsbeziehungen; sie leitet Kooperationen an und hilft bei der Partnersuche.
Da bereits viele Verbindungen zustande kamen, schuf dies neue Arbeitsplätze in Ungarn."


Welche Rückwirkung gibt es nach Deutschland?

"In Ungarn wird aus Sicht der deutschen Wirtschaft kostengünstiger produziert, für
deutsche Hersteller bedeutet dies eine kostengünstigere Produktion und damit größere
Konkurrenzfähigkeit auf dem Markt."


Wie sehen Sie Ihre Rolle im deutsch-ungarischen Verhältnis ganz allgemein?

"Die IHK hat eine wichtige Rolle im deutsch-ungarischen Verhältnis. In diesem Monat tagt
z. B. die gemischte Kommission Baden-Württemberg-Ungarn. Ziel ist die Verbesserung der
allgemeinen Kooperation. Deshalb gehören dieser Kommission auch Vertreter aus Ministerien,
Verbänden und Vereinen an. Es geht also um Wirtschaft, Politik und Kultur. Die Kammer
ist auch an der Vorbereitung von Ungarns EU-Beitritt beteiligt, durch entsprechende
Veranstaltungen bereitet die IHK Firmen mit aktuellen Infos über Ungarn vor."


Wenn Ungarn in der EU sein wird, können auch Ungarn ihren Wohn- und Arbeitsplatz in
anderen EU-Ländern wählen: Inwiefern unterstützen Sie die Facharbeiterausbildung in
Ungarn nach EU-Standard?


"Diese Förderung der Facharbeiterausbildung ist nur zu begrüßen, denn sie gewährleistet
einen Standard für alle Ausgebildeten und damit bessere Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt.
Ich glaube aber nicht, dass viele Arbeiter nach Deutschland kommen werden, das wird sich
wahrscheinlich auf die Grenzregionen beschränken, also auf die gemeinsame Grenze mit Polen
und Tschechien."

Wie wird sich Ungarns EU-Beitritt Ihrer Meinung nach auf die Wirtschaft Ungarns auswirken?

"Die ungarische Wirtschaft wird profitieren. Baden-Württembergische Firmen werden sich nach
Ungarn orientieren. Waren werden dort günstiger hergestellt. Der Warenverkehr wird
einfacher und damit wird der Warenaustausch zwischen Deutschland und Ungarn auch zunehmen."


Wie wird sich dies auf die Zahl der Arbeitsplätze auswirken?

"Die Arbeitslosenzahl wird in Ungarn zunächst sinken, aber mit dem Beitritt zur EU wird das
Lohnniveau steigen, Ungarn wird auf absehbare Zeit dann kein Billiglohnland mehr sein.
Eine weitere Verlagerung der Produktion nach Osteuropa, etwa Bulgarien, Serbien wird
erfolgen. Das könnte dann wieder zu einer Zunahme der Arbeitslosigkeit in Ungarn führen."


Und wie sieht die deutsche Wirtschaft Ungarns EU-Beitritt?

"Diesen Beitritt sieht die deutsche Wirtschaft sehr positiv. Der Warenverkehr wird einfacher,
Angebot und Nachfrage werden steigen. Insgesamt wird der Beitritt die deutsch-ungarischen
Beziehungen positiv beeinflussen. Nachteile sehe ich weder für den EU-Raum, noch für
Deutschland oder unsere Region."

Herr Lander: Herzlichen Dank für das Interview!

Merkl Henriett
Juhász Vali
JSW-AG Gyönk