"Süddeutsche Zeitung, 3./4. März 2001:

Die deutsch-ungarisch-afrikanische Produktion

Ungarischer Filmpreis für eine TV-Dokumentation
über den ZIS-Lehrer Gerald Hühner


Gruppenbild mit Gyönkern: Redakteurin Martha Stangl neben Lehrer und Hauptdarsteller Gerald Hühner (mit Tochter Vimbai) und Frau Monica (vorne). Foto: Sandor Hada


"Sehr geehrte Damen und Herren! Ich möchte Ihnen jetzt den Gewinner in der Kategorie 'Dokumentationen und Reportagen' bekanntgeben. Den ersten Preis erhält: Martha Stangl mit ihrem Team für die Reportage in der Reihe 'Együtt - gemeinsam': 'Dr. Gerald Hühner, Gastlehrer am Gymnasium Tolnai Lajos in Gyönk' ". 10. Dezember 2000: Auf dem Filmfestival in Szeged wird gerade der größte ungarische Filmpreis, die "Kamera Hungaria" vergeben. Und einer der ersten Preise geht an eine TV-Dokumentation (24 min), in der wir unseren Projektleiter Gerald Hühner sowohl als Lehrer wie auch als Privatmensch mit seiner Familie kennenlernen. Er leitet das Projekt "Zeitung in der Schule" in Gyönk seit 1996, wo er das Interesse der Schüler für kulturelle Themen wecken konnte. So besuchte unsere ZiS-Gruppe mehrmals bedeutende Kulturprogramme, wie zum Beispiel die Frankfurter Buchmesse 1999 und die Expo 2000. Integriert in diesen Film ist deshalb auch ein Einblick in unserer Gyönker ZiS-Arbeit; Interviews mit Lehrern, uns ZiS-Schülern, Eltern und Bürgern aus Gyönk. So zeigt der Film selbst genau, daß er zu seinem Titel paßt: "Együtt - Gemeinsam!" Selbstverständlich haben wir diese Preisverleihung mit allen, die an dem Film mitwirkten, in unserer Schule gefeiert. Und so treffen wir auch Martha Stangl und ihr Filmteam. Sie bringt natürlich ihren Preis, eine Art "goldene Kamera" mit und erzählt uns - bei Chili con Carne und reichlich Sekt -, dass sich insgesammt 300 Anwärter für den begehrten Preis beworben hatten. Sechzig von diesen kamen dann in die Endausscheidung. Ihre Filme wurden alle in Szeged vorgeführt. Martha Stangl hatte, sich mit ihrem Team schon gefreut, als sie erfuhr, dass sie bei diesen 60 Auserwählten war. Aber nie hätte sie "sich träumen lassen, dass wir eine reale Chance gegen eine so starke Konkurenz haben". Und so "mischten sich bei der Siegerehrung im Theater von Szeged die Gefühle". Denn das "Egütt-Team" war natürlich hoch erfreut -, aber auch etwas verlegen. In der Wettbewerbs-Jury, die den Preis vergab, saßen nämlich international anerkannte Persönlichkeiten aus der Film-Branche: Aus den USA kamen der Jury-Präsident: Gyula Gazdag (Regisseur) und Yvett Biró (Filmkritikerin), aus Frankreich Jean Badal (Regisseur), aus Deutschland Robert Parizon (Kameramann), Mátyás Sáközi (Journalist) aus Großbrittanien und Gábor Xantus aus Rumänien. Entsprechend bedeutsam wurde der Gewinn des Preises bewertet. Die Idee zum Film hatte Frau Stangl übrigens, als sie auf unserer ZiS-Eröffnungsfeier im November 1999 für die ungarische TV-Sendung "Unser Bildschirm" recherchierte. Sie wurde neugierig, "wollte mehr über den Mann erfahren, der Jugendliche so faszinieren und ihr Interesse für den Journalismus wecken konnte." Und da "Együtt" ein grenzüberschreitendes Magazin ist, fand die Redakteurin das Thema für eine halbstündige Sendung sehr interessant. Außerdem kam für sie hinzu, daß Gerald Hühner in Gyönk mit seiner Frau Monica, die aus Zimbabwe in Afrika stammt, und mit der gemeinsamen Tochter Vimbai lebt, die in Ungarn geboren wurde. Frau Stangl wurde also von der Person des Lehrers, dem Thema "Süddeutsche Zeitung in der Schule" und der familiären Umgebung in Gyönk zu ihrem Film inspiriert. Zwar wusste sie nicht genau, wie dieser Film den Zuschauern gefallen würde, " aber das weiss man vorher ja sowieso nicht, denn zu den Beiträgen mit Minderheiten-Themen ist die Anerkennung nicht sehr groß. Aber gerade deshalb bietet diese Sendung und der Filmpreis, den wir dafür bekommen haben, eine Möglichkeit, die Werte der Minderheiten in einer Gesellschaft in den Vordergrund zu rücken." Martha Stangl und ihr Team - Judit Markó (Regie), Sándor Háda (Kamera) und Josef Ursprung (Schnitt) - halten dies für ihre wichtigste Aufgabe. Und so wollen sie mit ihrer Arbeit weiterhin so erfolgreich sein, wie mit diesem großen Beitrag aus dem kleinen Gyönk, der den ungarischen Filmpreis gewann.

Beate Kemler
Martin Toth
Andreas Irmer Gymnasium Tolnai Lajos
Gyönk/Ungarn




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