Projekt "Süddeutsche Zeitung in der Schule"
                                           Feier am 14.November 1997
                                             Tolnai Lajos Gymnasium
                                                         Gyönk


                     Erfahrungsbericht eines Schülers aus dem Projekt 1996/97:

"Guten Tag, mein Name ist Roland Tóth; aber Sie müßten mich eigentlich ja schon aus der SZ kennen!

Wie alles anfing? Es war lahm. Niemand konnte mit dem Gedanken "Zeitung in der Schule" umgehen. Niemand hat begriffen, was das heißt. Leider. Tagtäglich die Zeitung von der Post holen: Das sollten wir ein ganzes Jahr lang machen? Jeden Morgen schuften? Diese großen Pakete von Zeitungen schleppen? Schrecklich!

Aber dann haben wir uns im Unterricht lange mit der SZ befaßt. Es muß nicht immer Goethe sein! Es war auch viel spannender und interessanter. Plötzlich machte Schule Spaß.

Später zeigte sich auch bei den anderen Interesse. Denn sie haben uns immer die bunten Magazine geklaut. Und dann die Pinn-Wand: Später standen alle davor und waren überzeugt, daß dieses Projekt schon ein großes Ding war und noch werden würde.

Viele mußten also am Anfang in Takt gesetzt werden, ich auch. Aber dann: An einem frühen Morgen, da fing es bei mir richtig an. Später auch bei den anderen. Wir standen vor einer spannenden Reise. Ganz Gyönk schlief noch, als wir aus dem Internat kamen. Wir waren aber frisch und munter, denn wir fuhren zur journalistischen Arbeit nach Regensburg.

Gute Laune in vier Tagen! Es war eine Erlösung, als wir ankamen. Ein Luxushotel. Jede Menge Sterne! Wir konnten unsere vom Sitzen harten Hinterteile ein bißchen im Swimmingpool aufweichen. Eine große Überraschung war, daß Kollegin Hajni (ca. 1,56m) tüchtig aus dem Wasser herausragte.

Am Tag nach der Ankunft gingen wir, vom Essen ziemlich gerundet, vom Tisch. Denn es gab ein riesiges Büfett, mit allem drum und dran. "Ist das alles für uns?", fragte einer. Wir hatten zwei Scheiben Brot und ebenso viel Salami zum Frühstück erwartet. Die positive Enttäuschung hat uns mit Energie gefüllt.

So fuhren wir zu dem privaten Bildungswerk Dr. Robert Eckert Schulen AG, um uns endlich als Journalisten/ Reporter auszuprobieren. Dort haben wir uns fast verirrt. Diese Privatschule mit ihren Gebäuden war nämlich mindestens so groß wie Gyönk. Die Arbeit war sehr interessant und nach sieben Stunden getan.

Am nächsten Tag: Ausflug im Ausflug. Nachdem wir uns kaputtgearbeitet hatten, bekamen wir einen freien Tag, um Kultur und allgemeines Wissen über die Regensburger Umgebung aufzusaugen. Wir haben uns die Befreiungshalle und den Donaudurchbruch bei Kelheim angeschaut und auch dabei viel Spaß gehabt.

Zu Hause haben wir dann Artikel produziert. Die Arbeit dabei war ganz anders als gewöhnlich. Der Pauker stand nicht vorne und versuchte, uns etwas zu erzählen. Er war ein Arbeitskollege im Team. Hilfe hat er uns angeboten, und wir haben sie mit viel mehr Freude angenommen.

In der Luft lag Spannung; alles prickelte so toll. Wortfetzen flogen, und zur Arbeit gab das Rattern des PC den Takt. Wer grade nichts an den Texten zu tun hatte, oder sich ausruhen wollte, bügelte die Wäsche oder spülte das Geschirr von Herrn Hühner, weil der einfach keine Zeit mehr dafür hatte.

Team-Arbeit: Jeder half dem anderen, gute Gedanken haben sich ergänzt und führten zu einem erfolgreichen Mix, den die anderen Schüler in der folgenden Woche an der Pinn-Wand lesen konnten - und wir, nach langem Warten, drei Monate später auch in der SZ!. Die Freude war riesig!

Dann war der Alltag wieder da. Doch wir erwarteten die nächste Aufgabe mit großer Lust und großem Hunger.

Hätten Sie gedacht, daß ein Ministerialdirektor, mit Vertreter, 150 km nach Südungarn in die "Provinz" reist, um für uns seine dritte Pressekonferenz zur EXPO 2000 zu halten? Und uns zur heutigen SZ-Party dieses Fax schickt:

(Kopie s.u.)

Herr Gérnyi war übrigens beim Interview noch aufgeregter als wir. Hätten Sie gedacht, daß wir die ersten waren, die international über das ungarische EXPO-Programmm berichtet haben? Genauso hatten wir auch nicht gedacht, daß der deutsche Botschafter, Herr Buchrucker, heute zu uns kommt.

Das Thema EXPO 2000 Hannover war für uns eine harte Nuß. Wir schrieben mit derselben Arbeitsweise wie zuvor über die Jugend und Zukunft Ungarns. Schwierig war, da wir das wirkliche Ungarn zeigen wollten, und nicht die Klischees: Puszta, Paprika, Piroschka.

Die Langzeitprojekte haben unsere Arbeit leider beendet. Dieses "leider" zeigt, wie viel uns zum Schluß das Projekt bedeutet hat. Es hat uns auch gelehrt, im Team zu arbeiten. Toleranz und Erfolg brachten das Ganze in einen Rahmen. Möglicherweise ist es für mich der Beginn einer journalistischen Karriere.

SZ ist gut; SZ ist bunt; SZ wird von den Besten geschrieben und gelesen. SZ ist belehrend, das ist auch ein Wert der Zeitung. Vielen Dank an die "Süddeutsche" und das IZOP-Institut!

Die Sponsoren haben KNETE. Für unnütz geben sie diese aber nicht her. Für uns ist dadurch vieles möglich geworden, was wir ohne sie nicht hätten. Danke dafür.

Herr Hühner hat das Projekt nach Gyönk geholt, organisiert und das Ganze zusammengehalten: Uns. Er hat eine ganze Menge Papierkram erledigen müssen. Es kostete ihn viele Gehirnzellen, bis das Projekt startklar war. Der größte Dank geht an ihn!

Wir wünschen der nächsten "Generation", unseren Nachfolgern ebenso viel und mehr Spaß und Erfolg bei der Arbeit. Viel Glück!"

Roland Tóth
Projektschüler 1996/97
Gymnasium Tolnai Lajos/Gyönk



Ansprache:
 
Hasso Buchrucker
Botschafter der Bundesrepublik Deutschland
 
 
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Hasso Buchrucker während seiner Ansprache in Gyönk.
Photo: Gerald Lang
 

"Herr Direktor, Herr Abgeordneter, Herr Bürgermeister!
Liebe Eltern; vor allem Herr Hühner, liebe Lehrer und liebe Schüler!

Ich bin beeindruckt von dem, was ich heute hier gesehen und gehört habe. Ich weiß kaum, was ich dazu sagen soll.

Sie haben ganz Großartiges geleistet in diesem einen Jahr; und ich kann mir sehr gut vorstellen, daß es doch sehr viel zusätzliche Mühe war zu ihrem sonstigen Schulprogramm.

Aber es war nicht umsonst.

Ich werde Herrn Gérnyi, der vor 6 Monaten hier war und mit dem wir an der Botschaft sehr viel zu tun haben, erzählen, was ich heute erlebt habe.

Und ich glaube, Herr Gérnyi würde mir in meiner Schlußfolgerung heute zustimmen:

Sie haben in diesem einen Jahr ganz wesentliches für sich, für Ungarn und für Europa getan!

In diesem zusammenwachsenden Europa wird es immer mehr darauf ankommen, daß wir die Kenntnis von Partnersprachen haben.

Jeden Tag kommen deutsche Investoren in mein Büro und bitten mich, ihnen zu helfen, junge, fähige Ungarn zu finden, die auch Deutsch können.

Und wenn Ungarn sich an der EXPO 2000 in Hannover beteiligt, dann hat das auch ein ganz bestimmtes Ziel:

Ungarische Exporte nach Deutschland zu fördern. Und auch dafür braucht man Deutschkenntnisse.

Falls es Herr Gérnyi Ihnen noch nicht gesagt hat: Ungarn und Deutschland sind ganz wichtige Handelspartner; und Deutschland ist bei weitem der wichtigste Handelspartner für Ungarn.

Sie haben also in diesem einen Jahr sich einen großen Vorteil für Ihren Lebensweg erwirtschaftet.

Und gleichzeitig sind Sie unter Herrn Hühners ausgezeichneter Leitung noch drei Gefahren des nächsten Jahrhunderts etwas entgegengetreten:

- Die eine Gefahr ist die Informationsflut, mit der Sie im nächsten Jahrhundert konfrontiert werden; und Sie haben es schon in jungen Jahren gelernt zu lesen und zu unterscheiden.

- Die zweite Gefahr ist, daß Sie Opfer der Propaganda und der Medien werden und nicht mehr Ihre eigene Meinung bilden; und Sie haben es unter Herrn Hühners Leitung gelernt, doch gerade das zu tun: Ihre eigene Meinung auszubilden und vielleicht auch mal Gegendarstellungen zu akzeptieren und zu bilden.

- Und die dritte und vielleicht größte Gefahr in der Zukunft wird die Vereinsamung der Menschen sein; und Sie haben es hier gelernt, im Team zu arbeiten. Und mit der deutschen Sprache haben Sie sich eine weitere Dimension erwirtschaftet und im Rückblick aus Deutschland und aus der deutschen Sprache können Sie dann auch Ihr eigenes Land, Ungarn, viel besser beurteilen.

Mit der Kenntnis einer anderen Sprache und eines anderen Landes kann man auch das eigene Land dann wiederum viel besser kennen.

Bevor ich nun ende und sage: Das alles ist ein großartiger Erfolg und ich muß Ihnen von Herzen gratulieren!, muß ich auch noch eine Warnung aussprechen:

Meine Frau und ich sind in München aufgewachsen.

Und ich muß Sie warnen: Man kann von der Süddeutschen Zeitung abhängig werden!

Nochmals: Herzlichen Glückwunsch!"
 
 

(Textdokumentation: SZ-AG Gyönk)


Der Generalkommissar für das ungarische EXPO-2000-Programm schickte folgendes Fax:




 

Das IZOP-Institut sandte folgenden Text:




(...)



 
  Süddeutsche Zeitung, 27./28.12. 1997:

 

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