Besuch des deutschen Botschafters im Gymnasium Ptuj:

- 15.Dezember 2003:

Eröffnungsveranstaltung der Projektwoche des Gymnasiums zur Föderung
technisch-naturwissenschaftlicher Berufe.
Unter den Gästen auch der deutsche Botschafter in Slowenien, Hans Jochen Peters,
der eine Einladung von Gerald Hühner zu einem Gespräch mit SchülerInnen des Gymnasiums im Rahmen des Projekts
"Jugend-Schule-Wirtschaft" angenommen hatte.


Impressionen einer entspannten und produktiven Begegnung:





Empfang durch Schulleiterin, Lehrer- und Schülervertreter



Ein-Blick ins Schatzkästlein der Bibliothek


Interview mit 13 SchülerInnen im Rahmen des Projekts
"Jugend-Schule-Wirtschaft":











Dank an den Botschafter....



... selbstverständlich auch mit Produkten der Region.

Fotos: Gerald Hühner (weitere Fotos s.u.)


Der deutsche Botschafter im Gespräch mit Schülern aus Ptuj
»DAS EINZIGE PROBLEM IST, DASS WIR KEINE PROBLEME HABEN«
Hans-Jochen Peters über die deutsch-slowenischen Beziehungen, Sloweniens Beitritt zur EU und das Projekt »Unesco-Stadt Ptuj«


Er hatte „nie Angst vor dicken Büchern“, war ein guter Schüler und liebt auch heute noch die Literatur; er arbeitete u.a. schon in Uruguay, Moskau und Sarajewo, er kann fünf Sprachen und spielt leidenschaftlich gern Schach, wobei er „keine Gnade kennt“: Auch Großmeister haben schon gegen ihn verloren. Aber als Gesprächspartner ist er überraschend offen, entspannt und auskunftsbereit, fast wie ein „alter Kollege“. Und das alles, obwohl er der höchste Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland in Slowenien ist: Hans-Jochen Peters (59), seit Juli 2003 deutscher Botschafter in Ljubljana.

Und so startet das Projekt „Jugend-Schule-Wirtschaft“ in Slowenien mit prominenter Unterstützung: Auf die Bitte um ein JSW-Interview für die Gruppe aus Ptuj antwortete der Botschafter sofort. Denn zwar ist ihm das „Projekt bisher nicht bekannt“, er hält es aber „für einen wirklich neuen und originellen Ansatz“. Peters: „Gerade in Deutschland sind viele Familien und auch bereits Jugendliche hoch verschuldet. Ein solches Projekt kann auch dabei helfen, Wirtschaftskenntnisse zu vermitteln, Jugendliche für Politik und Wirtschaft zu interessieren und sie so von hohen Schuldenbergen fernzuhalten!“

Außerdem hat er schon „viel Gutes über das Gymnasium in Ptuj gehört“; und so nutzt er die Eröffnung der Projektwoche „Zur Förderung naturwissenschaftlicher und technischer Berufe“, um nach Ptuj zu kommen, sich intensiv mit Schülern zu unterhalten und das Gymnasium kennen zu lernen. Dies interessiert den Botschafter nicht nur, weil es „ in Ptuj eine sehr gute Ausbildung in Deutsch gibt“; er hat auch eine direkte Beziehung zur Pädagogik: „Wäre ich nicht Diplomat geworden, dann wahrscheinlich Lehrer.“

Am 15.12.2003 sitzen wir also in entspannter Gesprächsrunde in der Bibliothek des Gymnasiums zusammen. Hans-Jochen Peters ist von der Kulisse Ptujs beeindruckt, bedauert aber , dass er »noch nicht viel von der Stadt selbst sehen konnte.« Er ist sich aber sicher, dass der »Status Unesco-Stadt bei der Stadt-Entwicklung helfen kann« und hofft, bald einmal auch viel Zeit für einen Besuch und ein ausführliches Besichtigungsprogramm der Stadt Ptuj zu haben.

Wie und warum ist er eigentlich nach Slowenien gekommen? Hans-Jochen Peters erzählt, dass er in Ljubljana jetzt auf seinem »Wunschposten« sitzt, für den er sich im Anschluß an seine Tätigkeit als Botschafter in Bosnien-Herzegowina beworben hatte. Er fühlt sich sehr wohl im Land, das in vielerlei Hinsicht »wie Deutschland« sei; »besonders die Lebensverhältnisse in beiden Ländern sind sehr ähnlich«. Auch wenn er manchmal »ziemlich unter Druck steht«, auch am Abend noch repräsentative Aufgaben beim Treffen mit Politikern oder Botschaftern anderer Länder erfüllen muss, macht ihm die Arbeit doch großen Spaß. Denn die deutsch-slowenischen Beziehungen sind sehr gut; Peters: »Unser einziges Problem ist, das wir keine Probleme haben!«

Ein Unterschied ergibt sich aber aus der Größe der beiden Länder: „Deutschland ist für Slowenien als Wirtschaftspartner sehr wichtig, doch umgekehrt verhält es sich etwas anders, weil Slowenien vergleichsweise klein ist und deutsche Produkte teuer sind.“ Da man aber in Deutschland bereit sei, für bessere Qualität mehr zu bezahlen, sei z. B. „Perutnina Ptuj“ der Hauptlieferant für Geflügelfleisch für das Münchner Oktoberfest: Obwohl die Perutnina-Produkte etwas teurer sind, werden sie wegen der guten Qualität und des Geschmacks gekauft. Der Botschafter hofft, dass sich die guten Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern weiter intensivieren werden.

Und was erwarten Deutschland und die EU von Sloweniens Beitritt zur Europäischen Union? Dass wir unser „Wissen, Können und Traditionen einbringen und die EU damit bereichern.“ Und die Vorteile für uns Slowenen? „Als EU-Bürger haben Sie vor allem Reisefreiheit, es gibt mehr Freizügigkeit für Arbeitnehmer und Arbeitgeber und Sie sind Bürger eines großen Wirtschaftsraums.“

Der Botschafter befürwortet auch den EURO, „schon alleine deshalb, weil es keine Wechselprobleme mehr gibt.“ Allerdings sieht er auch, dass mit der EURO-Einführung „die Preise gestiegen sind. Das wird wahrscheinlich auch in Slowenien der Fall sein, doch haben Sie in Slowenien den Vorteil, sich auf diese Entwicklung vorbereiten zu können.“

Aber nicht nur die deutsch-slowenischen Beziehungen gehören zu unseren Gesprächsthemen, auch der Konflikt zwischen Slowenien und Kroatien um den Grenzverlauf an der Adria wird angesprochen. „Deutschland hofft“, so der Botschafter, „dass sich beide Länder bald einigen werden, notfalls unter Anrufung eines internationalen Schiedsgerichts.“

Im Laufe des Gesprächs zeigt sich Hans-Jochen Peters immer wieder überrascht von unseren »hervorragenden Deutschkenntnissen«; so fragen wir auch nach unseren Studien-möglichkeiten in Deutschland. "Slowenische Stundenten haben sehr gute Chancen in Deutschland zu studieren. Und wenn Sie in kleineren Städten wie Freiburg oder Tübingen mit guten Universitäten studieren, dann ist das Studium für Sie sogar billiger als in Ljubljana, wo die Mieten doch sehr hoch sind. Auch mit der Akzeptanz werden Sie keine Probleme haben.“ Und der deutsche Botschafter fügt hinzu: „Ich bin mir sicher: Wenn Sie weiter so systematisch die Sprache lernen und auch noch in Deutschland studieren, dann ist Ihr Deutsch bald besser als meins!«

Beim gemeinsamen Mittagessen in der Stadt setzt sich ein lockeres Gespräch fort – mit Themen »zwischen Stefan Raab und Goethe«. Nach einem lange Tag in Ptuj und zum Abschied bedankt sich der Botschafter »für den herzlichen Empfang und den schönen Tag« mit einer Einladung und einem Versprechen: »Besuchen Sie mich in der Botschaft in Ljubljana; Sie sind herzlich willkommen. Und ich werde auch Ptuj sicher wieder einmal besuchen!«

Das könnte schon bald der Fall sein, wenn der Botschafter im Gymnasium Ptuj die Urkunden zum Deutschen Sprachdiplom überreichen wird.

Interview und Text:
JSW-AG, Gymnasium Ptuj:
Ana Krajnc, Gregor Moleh, Simona Munda, Mateja Pesek, Sabina Serbak, Andrej Slana, Jure Verbancic, Marko Vurzer
Vorbereitung und Redaktion: Gerald Hühner





Eintrag ins Gästebuch des Gymnasiums


Eröffnungsveranstaltung zur Projektwoche
"Förderung technischer und naturwissenschaftlicher Berufe":




Kulturprogramm mit Chor und Spielszenen:



Begrüßung durch die Schulleiterin:



Dank an die Gastredner: Bürgermeister Dr. Stefan Celan...



...und den deutschen Botschafter Hans Jochen Peters:





Abschluss des Besuchs bei einem (Arbeits-)Mittagessen
mit Schulleitung, Lehrer- und Schüler-Vertretern:




Fotos: Gerald Hühner








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