Dr. Gerald Hühner                Gymnasium Ptuj                huehnersi@web.de

 

Europa-Klassen

 

Bewertung von Schülerleistungen im Rahmen von Projektarbeit

„Slowenien in der Welt“

 

- Vorschläge zur Diskussion/Ergänzung/Präzisierung -

 

I. Allgemeines

 

 

Projektarbeit ist ein komplexes Feld, in dem verschiedenste Kompetenzen zu fördern, zu erwerben und zu nutzen sind.

Projektkompetenz umfasst zumindest drei Komponenten, die entsprechend auch zu werten und zu bewerten sind:

  1. Prozeß – aktive Arbeit am Projekt
  2. Produkt - als „materielles“ Ergebnis der Projektarbeit
  3. Präsentation - als zusammenfassendes Ergebnis und Nachweis erworbener Kompetenzen

 

Diese Komponenten sollten jeweils mit gleichem Notenwert bewertet werden (Schüler erhalten also 3 gleichwertige Noten für die Projektarbeit). Die Komponenten bedingen und verweisen auf einander; sie fordern und fördern unterschiedliche Fähigkeiten (methodische, Wissen, Kreativität, sprachliche Fähigkeiten etc.), sie bereiten vor auf einen selbständigen, eigenverantwortlichen und kompetenten Zugang zum Erwerb und zur aktiven Nutzung von Wissen („learning by doing“).

 

Schülern muss dabei auch zugestanden werden, in der Vorbereitung und Organisation des Projekts Fehler machen zu können, deren anschließende Klärung zu nachhaltigen Lernerfolgen führen kann, im Gegensatz zu einer Projektorganisation, die ausschließlich in der Hand der beteiligten Lehrkräfte liegt.

 

Betont werden soll der kommunikative Aspekt, die Aktivitäten beim Planen/Strukturieren des Projekts gehören ebenso dazu wie die Präsentation des Ergebnisses. Insgesamt soll Projektarbeit Schüler zu eigenständigem, auch eigenverantwortlichem Handeln anleiten und dies mehr und mehr ermöglichen. Das heißt auch, dass die Projektarbeit sich in mehreren Arbeitsschritten vollzieht, die im Rahmen von Selbstvergewisserung und Motivation immer wieder überprüft, bewertet, diskutiert, ergänzt werden sollten.

 

Die Vorschläge für die Bewertung verstehen sich als Rahmen, der selbstverständlich flexibel zu nutzen ist, abhängig vom Alter der Schüler, dem Projektthema, seinem Anspruch und Umfang.

 

Selbstverständlich kann Projektarbeit auch als Gruppenarbeit („Teamwork“) durchgeführt werden. Dies ermöglicht u.a. auch die Förderung weiterer Kompetenzen (soziales Lernen etc.). Im Rahmen von Gruppenarbeit muss aber der jeweilige Anteil der beteiligten Schüler klar definiert und im Ergebnis erkennbar sein.

 

Konkrete Beispiele aus Ptuj, präsentiert im Internet: www.dasan.de/gimptuj/eu.htm

 

 

II. Konkrete Bewertung einzelner Aspekte:

 

1. Prozeß

 

(Detaillierte Ausarbeitung mit Bewertungstabellen erfolgt in anderer Autorschaft an einem anderen slowenischen Gymnasium mit EUROPA-KLASSEN.)

 

Im Rahmen dieser Kategorie können auch solche Schüler sehr gut abschneiden, die im Gebrauch der Fremdsprache noch nicht so weit fortgeschritten sind. Das Team-Teaching ermöglicht auch die Formulierung von produktiven Beiträgen in der Muttersprache (was bei Anfängern zugelassen werden sollte), die von der slowenischen Lehrkraft entsprechend übersetzt werden könnte.

 

 

Einige Aspekte, die bei der Bewertung u.a. zu berücksichtigen sind:

 

Aktivität/Impulsgebung:

Gab der Schüler in der Planungsphase (Team-Arbeit Lehrer-Schüler) Impulse oder war er eher rezeptiv oder gar unbeteiligt? Bringt er das Projekt durch produktive Beiträge voran....

 

Strukturierung:

Kann er selbständig Aspekte nennen, die für die Präsentation wichtig sind? Kann er diese in eine sinnvolle Ordnung bringen.....

 

Organisation/Management:

Projektarbeit findet nicht ausschließlich im Schulgebäude statt. Planung des Projekts, Vermittlung und Organisation von Interviews, Materialien etc. gehört zu dieser Arbeit hinzu.

Schüler sollten, zum Zwecke der Einübung in Selbstverantwortlichkeit, Eigenständigkeit, Selbständigkeit und zur Förderung ihrer Motivation auch Management-Aufgaben übernehmen Diese „Projekt-Manager“ können die Arbeit kleiner Gruppen koordinieren und als Ansprechpartner der Lehrkräfte fungieren.

 

Quellen/Recherche:

Ist der Schüler in der Lage, selbständig Quellen für die Information zu nennen und zu nutzen (Bibliothek, Internet, Institutionen, Interviewpartner etc.)? Wie geht er mit den Quellen um (Nachweise etc.)?

 

Zwischenergebnis:

Dient zur Selbstvergewisserung der Schüler und besseren Steuerung des Projekts durch die Lehrkräfte, sollte abhängig vom Umfang des Projekts in zuvor abgesprochenen Schritten regelmäßig festgestellt werden; dabei sollten auch das „Zwischen-Produkt“ und seine Präsentation kommentiert und bewertet werden.

 

 

2. Produkt

 

(Detaillierte Ausarbeitung mit Bewertungstabellen erfolgt in anderer Autorschaft an einem anderen slowenischen Gymnasium mit EUROPA-KLASSEN.)

 

Im Rahmen dieser Kategorie können auch solche Schüler sehr gut abschneiden, die im mündlichen Gebrauch der Fremdsprache noch nicht so weit fortgeschritten oder unsicher sind. Eingeübt worden sein sollte der Umgang mit der selbständige Gebrauch eines Wörterbuchs.

 

Einige Aspekte, die bei der Bewertung u.a. zu berücksichtigen sind:

 

Optischer Eindruck der Arbeit/Design:

Abhängig vom gewählten Medium (Facharbeit, Website, Plakat, Broschüre, Video etc.) sind Kriterien zu benennen.

 

Strukturierung:

Hierarchie der gewählten Ordnung, Übersichtlichkeit, Orientierungsmöglichkeit etc.

 

Differenzierung:

Untergliederung und Erläuterung einzelner Aspekte, unterschiedlicher Zugang dazu etwa in Bild und Schrift etc.

 

Kenntnisse:

Was ist abhängig vom Alter und Thema an Kenntnisstand zu erwarten, wie wird dies geleistet etc.

 

Sprachliche Korrektheit:

Eine schriftliche Ausarbeitung ermöglicht die Nutzung unterschiedlichster Quellen zur Vermeidung von Fehlern; in diese Nutzung ist im Rahmen der Projektarbeit einzuüben. Abhängig vom Stand dieser Tätigkeit ist dann entsprechend zu werten.

 

Quellenangabe:

Unabdingbar ist der umfassende und adäquate Nachweis aller genutzten Quellen (Literatur, Websites, Interviews etc.) und der Hinweis auf weiterführende Informationsmöglichkeiten; im Rahmen der Bibliothekskunde ist hier eine methodische Einführung

 

 

3. Präsentation

 

 

Fragen, die die Bewertung anleiten könnten wären etwa:

Hat der Schüler die Vorgaben der Projektplanung erreicht? Ist die Präsentation umfassend mit eigenen Zugaben oder rein wiederholend? Liefert sie den Zuhörern neue, interessante und anschauliche Informationen? Kann der Schüler auf Nachfragen zu seiner Präsentation reagieren oder „klebt“ er an seinem schriftlich formulierten Text? Wie wird das Produkt (Material) in die Präsentation integriert?

 

 

Zur Bewertung der Präsentation der Projektarbeit ließe sich durchaus von Beginn an in den Europa-Klassen auf Kriterien der Bewertung bei mündlichen DSD-Prüfungen (DSD – Deutsches Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz) zurückgreifen. Der Bewertungsmaßstab ist dann jedoch dem Alter der Schüler, dem Thema des Projekts, seinem Anspruch und Umfang flexibel anzupassen.

 

 

Aspekte der Bewertung:

 

Im Rahmen der DSD-Prüfungen achten die beteiligten Lehrkräfte nicht auf alle, sondern auf zuvor ausgewählte Aspekte der Bewertung; diese sind u.a.:  (zitiert nach den entsprechenden Vorgaben);:

 

1. Aussprache (4 Wertungspunkte):

 

Das entscheidende Merkmal ist die Verständlichkeit. Sie hängt ab von:

-         -         der phonetisch richtigen Aussprache der Laute (Qualitäten der Vokale und der Konsonanten) und der Richtigkeit der Wortakzente,

-         -         der Beherrschung der wichtigsten intonatorischen Grundmuster (z.B. Aussagen, Fragen, Ausrufe);

-         -         der Flüssigkeit des Sprechens,

-         -         der Angemessenheit des Sprechtempos,

-         -         der Vermeidung von Interferenzen mit der Muttersprache

 

Die Leistung ist ausreichend, wenn die Verständlichkeit trotz einiger Störungen gegeben ist.

 

 

2. Sprachliche Richtigkeit (8 Wertungspunkte):

 

Die Bewertung orientiert sich an den Merkmalen der gesprochenen Sprache. Deshalb gelten z.B. Abbrechen und Neubeginn eines Satzes, elliptische Äußerungen, Benutzung von Strukturen, die von der geschriebenen Standardsprache abweichen, nicht als Fehler.

Vorrangiges Kriterium für die Beurteilung der sprachlichen Korrektheit ist die Art der Verstöße; eine wiederholt falsche Verwendung bestimmter grammatischer Strukturen („Systemverstöße“) fällt mehr ins Gewicht als eine Reihe einzelner Fehler.

 

Die Leistung ist ausreichend, wenn der Prüfling die sprachlichen Normen im ganzen beherrscht.

 

3. Ausdrucksvermögen (8 Wertungspunkte):

 

Es ist zu beurteilen, ob und inwieweit – der Stufe gemäß –

-         -         die Wortwahl treffend und abwechslungsreich ist,

-         -         idiomatische Redewendungen benutzt werden

-         -         sprachliche Eigenständigkeit gegenüber der Textvorlage (hier: schriftliche Ausarbeitung des Projekts!) deutlich wird

-         -         situationsbezogene, unterschiedliche Strukturmuster der mündlichen Standardsprache verwendet werden,

-         -         sprachliche Mittel zur Wiedergabe komplexerer Sachverhalte und gedanklicher Beziehungen beherrscht werden (dies gilt insbesondere für Stufe II – Oberstufe – des DSD)

 

Als ausreichende Leistung gilt:

Ausdruck und Satzbau sind im ganzen angemessen; indes verbleiben die Aussagen meist auf einfachem Niveau. Sprachliche Eigenständigkeit ist im Ansatz zu erkennen.

 

 

4. Allgemeine Gesprächsfähigkeit (4 Wertungspunkte):

 

Es ist zu beurteilen, ob und inwieweit der Prüfling in der Lage ist,

-         -         sich am Prüfungsgespräch (hier: Gespräch über sein Projekt) flüssig und ohne Verständigungsschwierigkeiten zu beteiligen,

-         -         in sprachlich angemessener Weise auf den Gesprächspartner einzugehen,

-         -         dem Gespräch Impulse zu geben,

-         -         Sachverhalte im Zusammenhang darzustellen.

 

Als ausreichende Leistung gilt:

Der Prüfling beteiligt sich im ganzen ohne Schwierigkeiten am Gespräch, kann ihm indes kaum Impulse geben. Er beschränkt sich meist darauf, auf Fragen und Anstöße kurz zu reagieren.

 

 

5. Sachkenntnisse (8 Wertungspunkte):

 

(...)Bei dem Kriterium Sachkenntnisse werden sowohl der Umfang und die Fülle des Wissens wie auch die Fähigkeit der gesprächsbezogenen Anwendung der Kenntnisse bewertet.

Es ist zu beurteilen, ob und inwieweit der Prüfling in der Lage ist – der Stufe gemäß -,

- wesentliche Aspekte des von ihm vorbereiteten Themas korrekt und klar darzustellen,

- Daten und Fakten in größere Zusammenhänge einzuordnen, zentrale Probleme aus seinem Sachgebiete zu erkennen und darzulegen,

-         -         Sich bei der Erörterung der Sachverhalte und Probleme mit unterschiedlichen Argumenten und Standpunkten auseinanderzusetzen (...).

 

Als ausreichende Leistung gilt:

Der Prüfling legt die wesentlichen Momente aus dem von ihm gewählten Sachgebiet im ganzen richtig und verständlich dar; indes kann er Hintergründe und größere Zusammenhänge nur mit Hilfe des Prüfers (hier: Projektleiters/Lehrers) darstellen.

 

 

Ergänzung (Gerald Hühner):

 

6. Materielle Ausarbeitung des Ergebnisses (Integration in die Präsentation) (4 WP)

 

Dieser Aspekt sollte auch bewertet werden, damit sich Schüler schon mit dem  Beginn der Arbeit in Projekten an qualitativen und weniger an quantitativen Kriterien („Wie viel muss ich schreiben?“) orientieren.

 

Formale Möglichkeiten: Vorlage einer Collage, einer digitalisierten Präsentation (PowerPoint etc.), Video, Tonaufzeichnungen (Interviews, typische Folklore etc.) usw.

 

Kriterien zur Bewertung sollten sein:

Sorgfalt der Ausarbeitung für die Präsentation;

souveräne Integration des Materials in die Präsentation;

Anschaulichkeit der Präsentation durch Nutzung des erstellten Materials (Produkts);

Differenziertheit/Lebendigkeit des Vortrags in Nutzung des Materials;

 

 

 

Bitte beachten: Wie in diesen Kriterien bereits erwähnt, sind die Bewertungsmaßstäbe der Jahrgangsstufe, dem Leistungsvermögen der SchülerInnen, dem Anspruch und Umfang des Themas entsprechend anzupassen.

 

 

 

Bewertungsbogen

 

 

Zur Bewertung könnte auf folgenden Bewertungsbogen zurückgegriffen werden (in Anlehnung an den DSD-Bewertungsbogen zur mündlichen Prüfung):

 

Name:_______________________

 

Lehrkraft

(L1, L2, L3 ....)

Bewertungs-

kriterium

max. Punkte

erreichte Punkte

 

 

 

Aussprache

 

 

4

 

 

 

Sprachliche Richtigkeit

 

 

8

 

 

 

Ausdrucksvermögen

 

 

8

 

 

 

Allgemeine Gesprächsfähigkeit

 

 

4

 

 

 

Sachkenntnis

 

 

8

 

 

 

Integration des Materials

 

 

4

 

 

Notenwerte:

 

im 2er System

im 4er System

im 8er System

Sehr gut

2,0

4,0

7,5/8,0

gut

1,5

3,5

6,5/7,0

befriedigend

1,5

2,5/3,0

5,0/5,5/6,0

ausreichend

1,0

2,0

4,0/4,5

mangelhaft

0,5

1,5/1,0

3,5/3,0/2,5/2,0

ungenügend

0,5

0,5/0,0

1,5/1,0/0,5/0,0

 

Gesamtnote:

 

%

Punkte

Sehr gut

100% - 91 %

36 – 33

gut

90 % - 78 %

32,5 - 28

befriedigend

77 % - 64 %

27,5 - 23

ausreichend

63 % - 50%

22,5 - 18

 

 

 

Ptuj, im November 2005

Gerald Hühner