Dr. Gerald Hühner             Mlinska Cesta 6                             Mobil: 00386 - 31 - 536936

2250 Ptuj/Slowenien                   E-Mail: huehner3@gmx.de

 

                                                                                                               

Ost « westeuropäischer Umweltdialog

Projekt am Gymnasium Ptuj/Slowenien

Partner: Rosenstein-Gymnasium Heubach

 

Erfahrungsbericht

 

I. Resümee:

 

·        Was ist gut gelaufen, was weniger gut?

 

Das gesamte Programm ist als überaus positiv erfahren worden: Fachlich (thematisch und sprachlich), aber besonders im persönlichen Bereich wurden ungemein wichtige und nachhaltige (!) Erfahrungen gemacht. Das Thema Umwelt-/Verbraucherschutz im internationalen Kontext stieß auf großes Interesse, die slowenischen Schüler intensivierten mit großer Freude ihre Deutsch-Kenntnisse, machten praktische Erfahrungen und hatten motivierende Erfolgserlebnisse; fehlende Kenntnis des Partnerlandes, wenn nicht gar Vorbehalte, wurden gründlich abgebaut; neue, dauerhafte Kontakte/Partnerschaften über die Grenzen hinweg sind entstanden.

 

Dialog im Rahmen des Projekts fand am Gymnasium Ptuj auch sehr erfolgreich auf schulinterner Ebene statt, da bilingual und interdisziplinär mit 2 Kolleginnen (Fächer: Deutsch, Slowenisch) und einem Kollegen (Fach: Chemie) kooperiert wurde. Auch dies ein kleines “Pilot-Projekt“, das beispielgebend wirken wird.

 

Einziges Manko: Der Zeitfaktor im Rahmen des Pilot-Projekts führte zu hohem zusätzlichem Arbeitsaufwand (unterrichtsfreie Zeit von Mitte Juni bis zum 1.September, in der nicht mit den Schülern gearbeitet werden konnte); der zusätzliche Einsatz hat sich jedoch, wie gesagt, überaus gelohnt.

 

·        Was würden Sie aufgrund der Erfahrungen, die Sie mit den einzelnen Projekt­schwerpunkten „Austausch“, „Umweltrecherche“, „Zeitungsarbeit“ gemacht haben, für die konzeptionelle Gestaltung des angestrebten Hauptprojekts empfehlen?

 

Deutschsprachige Zeitung der Partner aus Deutschland möglichst auch im Ausland (hier: Slowenien) einsetzen!

 

Ausblick:

Aufgrund der bilingualen und interdisziplinären Ausrichtung mit der Möglichkeit zu internationaler Begegnung eignet sich das Projekt hervorragend für den Einsatz in den EUROPA-Klassen mit Deutsch als Fremdsprache an slowenischen Gymnasien: Es bringt Schüler in intensiven Kontakt mit der Zielsprache „Deutsch“ („authentische Sprechsituation“), dies mit einem interessanten, interdisziplinär zu bearbeitenden Thema (Umweltschutz) und im persönlichen Kontakt/Austausch mit deutschen Jugendlichen; es schafft ihnen durch die Möglichkeit der Publikation in renommierten Tageszeitungen zusätzliche Motivation. Da das Gymnasium Ptuj Koordinierungsschule für „Deutsch“ der slowenischen EUROPA-Klassen ist, würde man sich sehr freuen und wäre hier sehr gerne bereit, das Projekt, sollte es etabliert werden, als Bestandteil des Unterrichtsprogramms anbieten zu können.

 

Ausführliche Infos zum Projekt:

- Auf der deutschsprachigen Website für des Gymnasium Ptuj:

 www.dasan.de/gimptuj

- Direkter Zugriff auf die Projekt-Seite:

 www.dasan.de/gimptuj/eu.htm

 

 

II.  Erfahrungen im Einzelnen

 

II. 1 Besuch der Partnerschulklasse

 

1. Wie beurteilen Sie den Austausch mit Ihrer Partnerschulklasse?

 

Vorbehaltlos: Sehr gut! Die Schüler hatten bereits Kontakt miteinander, bevor sie sich dann persönlich begegneten;  durch die jeweiligen Porträts auf den beiden Internetseiten der Schulen war ein erster Kontakt möglich, der über E-Mail/Chatroom intensiviert wurde. Beim ersten Treffen in Ptuj bedurfte es keinerlei Aktivitäten der beteiligten Lehrkräfte, um die jeweiligen Partner zusammenzubringen; 5 Minuten nach der Ankunft des Busses hatten sich die jeweiligen Paare auf den Weg in die Familien gemacht.

Dennoch waren zwangsläufig auftretende Missverständnisse im persönlichen Bereich („Kontextabhängiges Verstehen von Worten, Redewendungen in der Fremdsprache Deutsch)  auszuräumen, die sich auch  aus Mentalitätsunterschieden ergaben; umso nachhaltiger der Lerneffekt: Es sind vermutlich einige Freundschaften von Dauer entstanden; mit dem Rosenstein-Gymnasium wird über eine Intensivierung der Beziehungen auf schulischer Ebene nachgedacht.

Dies ist wahrscheinlich der wichtigste Effekt des Projekts: Über die Arbeit an einem gemeinsamen Projekt das Thema, aber vor allem auch die Sprache und Mentalität eines Partners intensiv kennen und verstehen zu lernen.

Hervorzuheben ist auch die Kooperation mit dem Lehrer-Team aus Heubach: Die Zusammenarbeit war in sachlicher wie persönlicher Hinsicht harmonisch und effizient!

 

2. Welche Vorstel­lungen, Erwartungen, Vorbehalte hatten Sie / Ihre Schüler im Vorfeld?

 

Viele der Schüler aus Ptuj waren zuvor noch nicht in Deutschland (so wie viele Schüler aus Heubach wohl erstmals in Slowenien waren); von daher hatte das Projekt auch eine große „landeskundliche“ Bedeutung.

Als Belastung wurden allerdings im Vorfeld die zeitlichen Rahmenbedingungen im Kontext des Pilot-Projekts empfunden. Dies wurde aber sehr gerne in Kauf genommen, da man die Vorteile  durch die Projektarbeit deutlich erkennen konnte.

 

3. Welche Erfahrungen, Erkenntnisse und Einsichten haben Sie / Ihre Schüler dann während des Besuchs gewonnen (Aufnahme / Unterbringung in den Familien; Interesse und Aufgeschlossenheit gegenüber den Gästen; sprachliche Verständigung; Dauer des Besuchs)?

 

Das Projekt fand auch bei den Eltern große Zustimmung von Beginn an, mehrere Treffen zur Vorbereitung des Programms - insbesondere des Abschlussfestes – fanden mit den Eltern statt. Besonders das Abschlussfest wurde in eigener Regie von den Eltern vorbereitet und fand großen Anklang.

 

Die Verabschiedung zwischen Schülern und gastgebenden Eltern gestaltete sich nach einer Woche in Ptuj überaus herzlich, der Wunsch nach weiteren Kontakten wurde ausdrücklich artikuliert; es wurden Verabredungen für Besuche in der Ferienzeit getroffen.

 

Vor allem profitieren Jugendliche durch den zweiwöchigen Kontakt mit Muttersprachlern hinsichtlich der Erweiterung/Intensivierung Ihrer (deutschen) Sprachkenntnisse enorm: Einer der Schüler aus Ptuj brachte das Ergebnis auf den Punkt, als er während eine eines Dialogs plötzlich ausrief: „Oh, ich kann kein Englisch mehr!“ Die sprachliche Verständigung gestaltete sich also problemlos. Positiver Nebeneffekt: Durch die Kommunikation mit Muttersprachlern wurden auch Unterschiede im Gebrauch der Sprache, kontextorientierte Sprachnutzung, deutlich: Man muss schon verstehen, wie es gemeint ist, wenn ein Gast auf die Frage, ob ihm das Programm der einen Woche in der Familie in Ptuj gefallen habe, mit der „Lobeshymne“ antwortet: „Nicht schlecht!“

 

4. Welche Erfahrungen haben Sie bei der Organisation und Durchführung der Fahrt zur Partnerschule gemacht (Planung, Dauer und Kosten der Fahrt, Verkehrsmittel, Verkehrsverbindungen, allgemeiner Verlauf, Grenzübertritt, Besonderheiten ...)?

 

Organisation und Verlauf waren insgesamt gut; die slowenisch-österreichische Grenze ist zwar „Schengen-Grenze“, die damit verbundenen Personenkontrollen stellen aber m.E. für EU-Bürger kein Problem und keine Behinderung dar.

 

Die Kosten für das Recherche-/Besuchsprogramm bei der Partnergruppe blieben durch den Zuschuss kalkulierbar. In Absprache mit den Partnern aus Heubach entstanden für die Schüler aus Ptuj sogar keine Zusatz-Kosten für die Fahrt, allerdings hätte der Zuschuss von 2.500 EURO für Hin- und Rückfahrt mit Linienbus nicht ausgereicht (2.800 EURO).

 

Zwar können die Erfahrungen einer Busfahrt nicht verallgemeinert werden, doch ist es m.E. aufgrund der Erfahrungen während unserer Rückfahrt nicht empfehlenswert, mit diesen Linienbussen zu reisen:

1.      Das Notsignal ertönte nahezu ununterbrochen während der ganzen Fahrt, ohne dass der Fahrer „nachhaltig“ etwas dagegen unternommen hätte (was, wenn tatsächlich ein Notfall eingetreten wäre?).

2.      Vor allem aber ist es nicht empfehlenswert, mit einer Schülergruppe in einem Linienbus zu reisen, der auf einer Strecke von ca. 60 km auf österreichischen Landstraßen 100km/h und schneller fährt, obwohl nur 70 km/h erlaubt und aufgrund der Streckenführung ratsam sind.  Das damit verbundene Sicherheitsrisiko ist „beachtlich“; zukünftig würde ich als verantwortliche Lehrkraft für die Reise doch eher einen Reisebus buchen, dies auch, um mit der Schülergruppe vor Ort flexibel zu sein und bei der Rückreise nicht nachts um ca. 2:00 Uhr im Heimatort ankommen zu müssen.

 

 

II.2 Journalistische Umweltrecherche

 

·      1. Ihre Schüler/-innen hatten die Möglichkeit, zusammen mit den Schülern der Partner­schule ein Umweltthema in der Region der Gastgeber zu recherchieren und darüber in den beiden Projektzeitungen zu schreiben. Welche Bilanz der gemeinsamen Recherchearbeit können Sie ziehen (von der Vorbereitung auf das Thema und das journalistische Recherchieren über den Verlauf des Recherchetages selber bis hin zum gemeinsamen Schreiben der Artikel)? Wie funktionierte die Kooperation mit den Schülern der Partnerschule (Vorbereitung und Durchführung der Recherche, Schreiben der Artikel), was ist dabei gut, was weniger gut gelaufen, was würden Sie beim nächsten Mal aus welchen Gründen anders machen?

 

Die beiden Schülergruppen hatten nach Absprache zwischen den beiden Projektleitern den Schwerpunkt ihrer Vorbereitung jeweils auf die Recherche in ihrer eigenen Region gelegt, was sich als sehr positiv herausstellte; die Gäste kamen dann – jeweils die Schüler-Paare arbeiteten zusammen, die auch zusammen wohnten – zu den einzelnen Recherche-Teams hinzu und ergänzten die Fragestellungen/Beobachtungen durch ihre jeweilige „Außenperspektive“.

Beim Schreiben der Artikel wurden dann die Daten und Fakten gemeinsam gesammelt und abgeglichen; allerdings schien es sinnvoll – und so wurde auch verfahren – dass Artikel für Leser in Slowenien und Deutschland unterschiedlich strukturiert und verfasst wurden: Einem Leser der SZ in Deutschland muss man Ptuj, seine Lage und Besonderheiten näher erläutern, einem Leser der DELO nicht; umgekehrt müssen einem DELO-Leser Zusatzinformationen zur Region um Heubach und Besonderheiten eines Abfall-Entsorgungskonzepts aus Deutschland geliefert werden, die ein SZ-Leser nicht unbedingt braucht.

So wurde also beim Schreiben der Artikel in zwei Schritten verfahren:

  1. Gemeinsame Zusammenfassung von Daten, Fakten, Beobachtungen der Schüler aus Slowenien und Deutschland
  2. Verfassen der Artikel jeweils in der Muttersprache und leserorientiert

(Ergänzung: s.u. Frage 3)

 

·      2. Wie sind Ihre Schüler mit dem Recherchethema zurecht gekommen (Schwierig­keitsgrad, fachliche Voraussetzungen ...)?

 

Das Thema in Ptuj (Massentierhaltung, Umweltschutz, Verbraucherschutz) lag den Jugendlichen zwangsläufig näher als das Thema Kompostierung. Dennoch war gerade in Heubach das Thema um so interessanter, je anschaulicher und konkreter es wurde (s.u. Frage 4).

 

·      3. Wie haben die Schüler aus Ungarn, Slowenien und der Slowakei die Aufgabe erfüllt, in deutscher Sprache zu recherchieren und zu schreiben?

 

Eine Vorbereitung auf journalistische Arbeit setzt einen großen zeitlichen und arbeitsintensiven Rahmen voraus, dieser stand im Rahmen des Pilot-Projekts zwangsläufig nicht zur Verfügung. Es fehlte also einfach die „Trainingsmöglichkeit“. Außerdem ist es nicht möglich, von Jugendlichen nicht-deutscher Muttersprache gute deutsch-sprachige Artikel zu erwarten, wenn  sie dazu kaum Anschauungsmaterial haben. Es wäre daher m.E. sehr sinnvoll, den slowenischen Schülern auch ein deutsch-sprachiges Medium (die Zeitung der Partnergruppe aus Deutschland) zur Verfügung zu stellen, um mit dem Medium auch im Unterricht arbeiten zu können.

 

·      4. War die Präsentation des Themas durch die Gesprächspartner/Experten vor Ort interessant, engagiert, informativ und für die Schüler verständlich? Wurden die Schüler ernst genommen?

 

1.    In Ptuj hatte man sowohl im Gespräch mit dem Bürgermeister wie auch bei der Fa. Perutnina den Eindruck, dass sich überaus bemüht und gastfreundlich verhalten sowie insgesamt hervorragend um die Gäste gekümmert wurde (immerhin waren dies mit Lehrkräften 55 Personen), dass man die journalistische Relevanz des Projekts (DELO, SZ-Artikel) auch sah, sich dennoch aber der Rolle der Schüler nicht immer unbedingt bewusst war.

Das Engagement des für die Organisation verantwortlichen Marketing-Managers der Fa. Perutnina, Jure Bojnec,  ist um so mehr hervorzuheben, als er am Montag der Recherche-Woche seine Tätigkeit bei Perutnina offiziell beendete, dennoch aber am Mittwoch den ganzen Tag zur Betreuung des Projekts zur Verfügung stand.

2.    Bei der Recherche in Heubach fiel der erste Teil des Programms am Recherche-Tag eindeutig zu theoretisch aus; diese Zeit hätte für die konkrete Recherche vor Ort sinnvoller genutzt werden können. Dadurch, dass ein Referat komplett ausfiel, blieb leider der gesamte Komplex „Marketing“ relativ offen, hätte aber m.E. gerade vor dem Hintergrund der „Nachhaltigkeit“ des Projekts bearbeitet werden müssen.

 

 

 

II.3 Arbeit mit der Zeitung im Unterricht

 

·      1. Wie sind die Projektzeitung und das Zeitunglesen bei Ihren Schülern „ange­kommen“?

 

Es war für die Schüler insgesamt sehr spannend und anregend, mit einem tagesaktuellen und überregionalen Medium arbeiten und darin publizieren zu können. Es fehlte allerdings im Rahmen des Pilot-Projekts zwangsläufig die Zeit, dieses Interesse und diese Motivation ausführlich zu nutzen.

 

·      2. Haben Sie die Projektzeitung im Unterricht nutzen können (in welchem Fach, in welchem Umfang, zu welchen Themen, für die Vorbereitung auf die journalistische Recherche und das Schreiben für die Projektzeitung ...)?

 

Die DELO wurde eingesetzt in den Fächern Slowenisch und Chemie; Kopien von  SZ-Artikeln wurden eingesetzt im Deutsch-Unterricht („Kleine Anleitung zum journalistischen Arbeiten“). Die Zeit war allerdings für eine intensive Beschäftigung zwangsläufig insgesamt zu knapp; es wäre sehr sinnvoll und daher auch wünschenswert, die Projektzeitung der deutschen Projektpartner (in unserem Fall die SZ) auch für die Projektschüler außerhalb Deutschlands zu erhalten (Intensivierung der Sprachkenntnisse und „Landeskunde“ mit tagesaktuellem Medium, journalistische Arbeit in Theorie und Praxis, kreativer Umgang mit dem „Material“ Tageszeitung etc.)

 

 

 

 

Ptuj, im Oktober 2004

 

Gerald Hühner