Dr. Gerald Hühner                  Mlinska Cesta 6                                                              Tel.: 00386-2-7885143    

2250 Ptuj/Slowenien                                            Mobil: 00386 – 31 - 536936

                                                            E-Mail: huehnersi@web.de

 

                                       

„Umwelt-baut-Brücken“

Abschlußbericht für die Arbeitsgruppe am Gymnasium Ptuj/Slowenien

Projektjahr 2005/2006

 

 

Vorbemerkung:

Bereits für das Pilotprojekt 2004/2005 wurde ein bilinguales und interdisziplinäres Konzept entwickelt und mit slowenischen Lehrkräften aus den Fachbereichen Deutsch, Slowenisch, Chemie sowie dem deutschen Programmlehrer am Gymnasium Ptuj durchgeführt. Das Projekt wurde und wird angeboten für Schüler, die auf die Prüfungen zum Deutschen Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz (DSD II) vorbereitet werden; dabei werden vor allem diejenigen Schüler berücksichtigt, die aus den Europa-Klassen der Schule mit einem erweiterten Fremdsprachen-Unterricht im Fach Deutsch kommen (vgl.: Zeitschrift PÄDAGOGIK, 5/2005).

 

Das Projekt ist ausführlich dokumentiert auf der deutsch-sprachigen Website:

www.dasan.de/gimptuj

 

Projektlink mit Infos zum Pilotprojekt 2004/5 und zum aktuellen Programm 2005/6 (Seminar in St. Marienthal/Ostritz, Vorbereitung der Recherche, Durchführung der Recherchen, Artikel etc.):

www.dasan.de/gimptuj/eu.htm

 

Projektlink auf der offiziellen UBB-Website:

http://www.umwelt-baut-bruecken.de/334artikel42.html

 

 

Zu den Fragen:

 

·     Schwerpunkt Austausch / Europa:


Der Austausch verlief harmonisch und bezogen auf die Projektarbeit erfolgreich; dazu beigetragen hat sicher auch, dass die beteiligten Projektleiter freundschaftlich verbunden sind und sich die beteiligten Projektlehrkräfte (vier aus Ptuj und drei aus Heubach) bereits aus dem Pilotprojektjahr 2004/5 kannten. Vieles in Planung und Umsetzung des Programms wie auch der persönlichen Begegnung (Kontaktvermittlung zwischen den Schülern etc.) folgte dem erfolgreich umgesetzten Schema des Vorjahres.

Die Begegnung hat so einerseits den Kontakt der Lehrkräfte vertieft, was für den Erfolg interkultureller und auf einen längeren Zeitraum hin orientierter Projekte eine wesentliche Voraussetzung ist. Andrerseits kommt dies auch der Begegnung der Schüler zugute, die sich von der freundschaftlichen und produktiven Zusammenarbeit der Lehrkräfte  durchaus anstecken lassen, was wiederum dem konstruktiven Fortgang der Projektarbeit insgesamt nur förderlich ist.

Die slowenischen Schüler haben sowohl das Programm in Ostritz als auch den Austausch mit der Gruppe aus Heubach überwiegend mit großem Enthusiasmus erlebt, haben neue Arbeitsweisen und Themenfelder kennen gelernt, vor allem aber viel interkulturelle Erfahrung gemacht. Sie haben über den persönlichen Kontakt viel über „Deutschland und die Deutschen“ erfahren, haben sich mit Mentalitäten und Perspektiven anderer Jugendlicher bekannt gemacht, Freundschaften geschlossen, die heute noch über Medien (E-Mail, Chat etc.) gepflegt werden.

Die Seminarwoche in Ostritz, im deutsch-polnisch-tschechischen Drei-Länder-Eck und mit Schülergruppen aus Deutschland und Polen hat ihnen Europa in praktischer Hinsicht näher gebracht.

Und vor allem: Die Schüler haben erfahren, warum und wozu sie sich mit der Fremdsprache Deutsch beschäftigen, sie haben gelernt, sich in sprachlich authentischen Situation zu bewegen und zu behaupten, was der weiteren Motivation im Fremdsprachen-Unterricht ungemein förderlich ist -, also auch im Hinblick auf souverän genutzte Mehrsprachigkeit ein ideales Vorbereitungsprogramm der Jugendlichen auf ihre Zukunft als Europäer.

Die positiven Erfahrungen aus dem Pilotprojekt haben sich also rundum bestätigt!

 

·     Schwerpunkt Umweltrecherche, Schreiben für eine Tageszeitung und Zeitungs-/Medienkunde:

Es ist nicht leicht, Jugendliche, die aus einem Schulsystem kommen, das doch noch weitgehend auf reproduktives Arbeiten setzt, an selbstständige Formen der Projektarbeit heranzuführen. Die Aussicht auf die Publikation in der größten Tageszeitung des Landes war und ist dabei sehr motivierend.

 

Die inhaltliche Vorbereitung auf die Umweltrecherche vor Ort wurde jeweils durch die ortsansässigen Arbeitsgruppen koordiniert; Gastschüler begleiteten ihre Gastgeber in den jeweiligen Recherchegruppen, so dass sich durch die gemeinsame Wohn- und Arbeitssituation auch zahlreiche Anknüpfungsmöglichkeiten für gemeinsame Aktivitäten ergaben.

 

Für das Schreiben der Artikel wurden jeweils 1 ½ Tage im Rahmen der Begegnungswochen angesetzt; dabei wurden in der deutsch-slowenischen Arbeitsgruppe zunächst Daten verglichen, Stichworte gesammelte, Artikelschwerpunkte eingegrenzt, Textgerüste für die einzelnen Artikel entworfen, bevor die eigentliche Textarbeit dann in getrennten (deutschen und slowenischen) Gruppen erfolgte.

 

Die vorbereitende Projekt-Arbeit erfolgt in Ptuj in den Fächern Slowenisch, Chemie und Deutsch:

 

Im Fach Slowenisch ging es vor allem um die Vorbereitung und redaktionelle Arbeit im Bereich der Textproduktion (Aufbau der DELO und Schreiben für die DELO).

 

Im Fach Chemie erfolgte die inhaltliche Vorbereitung auf die Recherchen (Ptuj: Grundlagen der Abfallwirtschaft in naturwissenschaftlicher Hinsicht; Heubach: Bierfiltration unter – regenerierbarem - Einsatz von Kieselgur etc.).

 

Die Projektarbeit erfolgte überwiegend im Fach Deutsch (Projektschüler sind DSD-Schüler, s.o.) und zwar in folgender Hinsicht:

Medienarbeit unter Einbeziehung allgemeiner Fragen (Pressefreiheit etc.), Einführung in das journalistische Arbeiten, Interview-Techniken (formal und inhaltlich bezogen auf die konkreten Recherche-Themen in Ptuj und Heubach), Textproduktion (Leserorientierung, Stilistisches etc.).

Im Kontext von „Deutsch als Fremdsprache“ steht vor allem der Aspekt der Landeskunde unter Einsatz der Zeitung im Vordergrund; dazu bietet die DELO mit ihrer international orientierten Berichterstattung hervorragendes Material auch mit Themen aus Deutschland und den Bereichen Politik, Kultur, Geschichte, Sport, etc. Dieses Material ermöglicht sowohl eine längerfristige, themenorientierte Unterrichtsplanung als auch tagesaktuelle Einbeziehung in die schulische Arbeit. Dabei dienen die Materialien aus der slowenischen DELO (Texte, Fotos, Karikaturen, Grafiken etc.) als Einstieg in die thematische Arbeit, zur Anregung von thematisch orientierten Gesprächen, als Grundlage zur Übung von Übersetzungen, als Informationsmaterial etc.

 

Die Zusammenarbeit mit der DELO (Damjan Viršek) empfinde ich nach wie vor als sehr gut und konstruktiv.

 

 

·     Gab es Reaktionen auf das Projekt an Ihrer Schule (Kolleginnen/ Kollegen, Schüler, Eltern) und außerhalb Ihrer Schule?

 

Das Projekt wurde von mir schulintern als bilinguales und interdisziplinäres Projekt konzipiert (Pilotprojekt 2004/5; PÄDAGOGIK, 5/2005) und wird so auch durchgeführt; dadurch ergeben sich eben auch schulintern positive multiplikatorische Effekte. Dazu gehört u.a. auch: Was „die da im Fachbereich Deutsch treiben“ wird mittlerweile durchaus mit anderen Augen gesehen. Transparenz der Projektarbeit in Form von Aushängen (Kopien der Artikel etc.) im Schulgebäude und der Präsentation auf der deutsch-sprachigen Website (www.dasan.de/gimptuj) tragen zum Interesse entsprechend bei.

 

Da bereits das Pilotprojekt großen Anklang fand, gab und gibt es seitens der Schülerschaft großes Interesse an einer Teilnahme in dem Projekt; im kommenden Projektjahr wird daher aus einer großen Zahl von Interessenten auszuwählen sein.

 

Begeisterte Aufnahme fand das Projekt auch in Reihen der  Elternschaft: Man sah hier vor allem ein großartiges Angebot in  interkultureller Perspektive und unterstützte die Arbeit in jeder Hinsicht, so etwa auch beim Abschlussfest für die Gäste aus Heubach.

 

In der Funktion des Projekts als „Türöffner“ wird sein Stellenwert über die Schule hinaus an folgendem Beispiel deutlich: Eine Anfrage zu einem Interview im Rahmen des Projekts beantwortete der Staatsrat der Republik Slowenien umgehend und zwar positiv: Am 15. Februar 2006 tagte in Ptuj der Staatsrat der Republik; drei Projektschüler führten ein Gespräch mit dem Präsidenten des Staatsrats, Janez Sušnik,  und den Staatsräten Robert Ceh sowie Marjan Maučec (Präsentation: www.dasan.de/gimptuj/drz.htm)

 

 

·     Was würden Sie nach Ihren bisherigen Erfahrungen mit dem Projekt anders machen?

 

Die Arbeit mit einer Arbeitsgruppe statt mit einer Klasse hat den großen Vorteil, dass engagiertes Arbeiten seitens der beteiligten Schüler vorausgesetzt werden kann. Allerdings erhöht diese Form der Arbeit den erforderlichen Einsatz, insbesondere in organisatorischer Hinsicht enorm. Die Ergebnisse sprechen m.E. aber nach wie vor dafür, diese Form der Arbeit beizubehalten, zumal sich dadurch auch schulintern Klassen- und Jahrgangsstufen-übergreifende Arbeitsformen und damit auch in diesem Bereich andere Formen sozialen Lernens integrieren lassen.

 

Zu dem Seminar in Ostritz/St. Marienthal: Eine andere Abfolge des Programms wäre wünschenswert und auch sinnvoll (wie von mir beim Seminar in Osnabrück vorgestellt); Voraussetzung: Die Vorbereitung auf die journalistische Arbeit könnte/sollte schon in der Schule, also im Vorfeld des Seminars in St. Marienthal erfolgen; Material dazu wird ja auch durch das IZOP-Institut zur Verfügung gestellt; in St. Marienthal könnte dann das Programm wie folgt durchgeführt werden:

1.     Europa-Tag (vor allem auch zum Kennenlernen der Gruppen/Teilnehmer)

2.     Umwelt-Tag (Recherche nach Vorbereitung im Vorfeld des Seminars)

3.     Medien-Tag (konkrete journalistische Arbeit im Kontext der an den Vortagen erfolgten Recherchen)

 

 

Fazit:

 

Das Projekt hat sich auch im zweiten Jahr seiner Durchführung in Ptuj in vielerlei Hinsicht als sehr bereichernd und produktiv erwiesen; wir freuen uns auf die Fortsetzung im Schuljahr 2006/2007.

 

 

Ptuj/Slowenien, im Juli 2006

Dr. Gerald Hühner, Projektleiter