„Umwelt-baut-Brücken“ – „Okolje gradi mostove“

Projekt der Schulen aus Ptuj/Slowenien und Heubach/Deutschland

Programm in Heubach/Ulm/Reutlingen zum Thema „Bio-Kunststoff“

(7. Mai 2008)

 

6 Texte

und

Fotos zur Auswahl für FAZ/FAS

(Die von der Redaktion ausgewählten Fotos werden in der Auflösung 1MB zugesandt.)

 

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Text 1:

Die Bioplastiker von Ulm

Wissenschaft „am Vorabend unserer Zukunft“ (Andreas Eschbach)

 

 

,,Benzinpreise auf neuen Rekordhöhen’’ - ,,Hunger hat ein neues Gesicht’’: Solche Schlagzeilen beherrschen unsere Medien; die Probleme schreien förmlich nach einer Lösung. Wenn aber Bio-Sprit aus Nahrungsmitteln erzeugt wird, führt dies zur Verknappung und Verteuerung von Grundnahrungsmitteln wie Mais oder Reis, so dass sich die Frage stellt: ,,Heat or Eat?’’. Professor  Hartmut Seliger, emeritierter Professor der Universität Ulm, vertritt die These:  ,,Grundnahrungsmittel sollten keine Grundlage für die Energiegewinnung sein, deswegen sollten vorrangig agrarische Abfallstoffe als Materialbasis für die ‚Bio-Raffinerie’ verwendet werden.“

Professor Seliger ist der Vater eines Projekts zur Umsetzung dieser Idee. Finanziell unterstützt durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gelang ihm ein großer Schritt bei der Herstellung eines umweltfreundlichen Kunststoffs. Motiviert wurde er bei einer Reise durch Jordanien: „Wie in einem Herbstwald raschelten die Plastikfetzen unter den Füßen“, veranschaulicht er seine Eindrücke. Schockiert erklärt er der „bunten Beutelpest“ den Krieg. Abfall aus Plastik muss rasch verrotten!

Die Herausforderung heißt: Umwandlung von Biomasse-Abfällen in Kunststoffe, die gut brauchbar, preiswert und biologisch abbaubar sind, sich also anders als die aus Erdöl erzeugten Plaste nach Entsorgung im Kontakt mit Bodenbakterien rasch zersetzen. Ein solcher, schon länger bekannter Bio-Werkstoff ist das Polyhydroxybutyrat (PHB, Infokasten), gewonnen aus einem Abfallprodukt der Zuckererzeugung (Melasse). Wirken auf diesen Rohstoff bestimmte Bakterien ein, so erzeugen sie PHB. Dies funktioniert übrigens ähnlich beim Menschen, der überschüssige Nährstoffe als Fett speichert. Es gibt Bakterien mit einem Gewichtsanteil von 96 Prozent PHB! 

Allerdings hat dieser Bio-Kunststoff nicht gerade ideale Eigenschaften. Denn er ist spröde, Folien sind nicht durchsichtig, und seine Schmelztemperatur ist zu nahe bei 200 Grad, seiner Zersetzungstemperatur. So ist das Risiko einer Gelbverfärbung des verflüssigten Plasts beim Spritzgießen viel zu hoch. Außerdem ist das Schmelzen energieaufwendig und damit recht teuer. Das Ziel der Ulmer Gruppe um Professor Seliger war es nun, das PHB so umzubauen, dass ein Kunststoff entsteht, der geschmeidig, reißfest, durchsichtig, biologisch abbaubar ist und bei tieferer Temperatur schmilzt. Außerdem sollte sich dieser Stoff billiger herstellen lassen als herkömmliche Plaste wie Polyethylen oder Polyester.

Das klang zunächst nichts als utopisch. Die Idee war nun, das spröde PHB chemisch mit anderen, elastischeren Plasten patchworkartig zu verknüpfen, ohne dass die biologische Abbaubarkeit verloren geht. Der neue Kunststoff hat fast alle gewünschten Eigenschaften und heißt Polyesterurethan (PEU, Infokasten). Bei seiner Entwicklung wirkte Seligers Doktorand Hans Häberlein entscheidend mit. Immerhin lassen sich aus PEU Kleber, wasserfeste Beschichtungen und durchsichtige Folien herstellen.

Einzig die Wirtschaftlichkeit stimmte noch nicht. Es galt also, den Preis des Produkts zu drücken. Dies gelang durch Mischen des PEU mit Füllstoffen, wie zum Beispiel Flachsfasern. Dazu kooperierten die Ulmer mit einer Gruppe um Professor Robert Kohler von der Fachhochschule Reutlingen. Aus den erzeugten Werkstoffen lassen sich nun allerlei Formteile und Folien wirtschaftlich erzeugen, ja sogar Autoteile wie Stoßfänger und schockabsorbierende Innenauskleidungen sind möglich.

Als praktisches Beispiel für eine wasserabstoßende Beschichtung durch das PEU, aber auch für die Möglichkeiten der Umkehrung von Eigenschaften führte Professor Seliger seinen „verrückten Kaffeefilter“ vor. In dem Experiment wird die Umwandlung eines wasserdurchlässigen Papierfilters in einen wasserdicht beschichteten Beutel gezeigt, als Modell für Bioplastiktüten, die wasserdicht, reißfest und im Gegensatz zu Plastiktüten leicht biologisch abbaubar sind.

 

Anne Buchsteiner, Teresa Heiß, Simone Sauter, Rosenstein Gymnasium Heubach - Petra Hebar, Tamara Mohorko, Nino Kovačič, Gymnasium Ptuj

 

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Text 2:

 

Forschung aus Leidenschaft

Geben ist seliger denn Nehmen

 

Die Ulmer sind stolz auf ihren Albert Einstein, der vor 130 Jahren in der Stadt an der Donau geboren wurde. Natürlich haben sie eine Straße auf dem Campus nach ihm benannt. Dort wirkt alles noch ziemlich neu. Die Universität Ulm wurde erst vor gut 40 Jahren gegründet, zuerst mit einer medizinischen Fakultät. Dann kamen Naturwissenschaften dazu, Ingenieurwissenschaften und Informatik, Mathematik und die Wirtschaftswissenschaften. Inzwischen gibt es 6.500 Studenten.

In der Albert-Einstein-Allee findet sich das Institut, in dem Professor Hartmut Seliger arbeitet. Der erste Eindruck verdichtet sich bald: Der Mann hat eine ganz besondere Ausstrahlung, die ein wenig an das ganz besondere Wesen des genialen Physikers Einstein erinnert. Das heißt zunächst: Keine Spur von Überheblichkeit oder gar von Arroganz, eben ganz anders als man sich einen Professor vorstellt, eher ein sympathischer, netter Großvater.

Obwohl seit einigen Jahren pensioniert, ist er weiterhin in Forschung und Lehre engagiert: „Ich mache das, bis es nicht mehr geht.“ Über seine Pension hinaus erhält er keine weitere Zuwendung, und für seine Forschungsarbeit ist er fast ausschließlich auf Drittmittel angewiesen, die er selbst bei potentiellen Sponsoren einwerben muss:  „Uns geht es wie einem Zirkus, wo man auch nicht weiß, wie man die Tiere durch den Winter bringen soll.“

Wie er trotz solcher Schwierigkeiten mit seinen Mitarbeitern umgeht, ist schon eindrucksvoll. Dies zeigt eine Szene bei einer Versuchsvorführung: Er mit seinem schlohweißen Haar, daneben der afrikanische Master-Student aus Ghana, dem der Professor selbst assistiert. Sein Erfolgsrezept: „Ideen entstehen nicht unter Zwang, sondern nur in Freiheit.“ Auch sein Engagement für die junge Ricarda Neubauer bringt dies rührend zum Ausdruck.

Als Beispiel für den Forscherdrang Jugendlicher erzählt er aus seinem eigenen Leben: „In der Schule faszinierten mich die bunten Flaschen des Chemielehrers. Interessiert aber habe ich mich für den Inhalt, weniger für die Farben, sonst wäre ich vielleicht Künstler geworden – Künstler und Forscher haben viel gemeinsam“. Er hat sich natürlich voll auf den Wissenstand seiner Zuhörerschaft eingestellt, und so zeichnet er die Molekülspaltungen und Neuverknüpfungen, die letztlich zum Kunststoff PEU führen mit Strichmännchen, die zunächst alle händchenhaltend stramm stehen, dann sich in zwei Gruppen trennen, sich umdrehen und  mit neuen Partnern, durch Handschellen verbunden, eine neue Formation ausbilden. Am Schluss spielen sie sogar Ziehharmonika.

Professor Seligers Fazit: „Einmal Forscher, immer Forscher und ihre Arbeit beschäftigt sie ihr ganzes Leben lang“.

 

Tobias Hieber, Johannes und Jonas Müller, Benjamin Ulmer, Rosenstein Gymnasium Heubach - Jernej Bratuša, Petra Filipič, Uroš Jazbec, Blaž Slanič, Gymnasium Ptuj

 

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Text 3:

 

Infokasten für Chemiefans - PHB ist Polyhydroxybutyrat, „Butyrate“ sind Butansäure-Ester: Aus hintereinander gestellten Bausteinen von Hydroxybutansäure HO-CH(CH3)CH2 -COOH entsteht PHB durch fortgesetzte Reaktion der Carboxylgruppe -COOH eines Bausteins mit der HO-Gruppe des jeweils nächsten. Dabei bilden sich „Esterbrücken“ -CO-O-, und PHB entsteht als lange aber starre Kette. Deshalb ist der Kunststoff spröde. Er muss chemisch verändert werden.

Die Idee ist nun, PHB-Moleküle aufzuspalten und beweglichere Molekülabschnitte einzubauen. Dafür eignen sich 1. Moleküle mit zwei endständigen HO-Gruppen (Butan-1,4-diol), 2. Moleküle mit zwei endständigen Carboxylgruppen (Hexan-1,6-disäure), 3. Moleküle mit zwei endständigen Isocyanatgruppen -N=C=O (Hexan-1,6-diisocyanat). Die Molekülverknüpfung erfolgt über Esterbrücken und Urethanbrücken -NH-CO-O-. Es entstehen Großmoleküle von der Beweglichkeit einer Ziehharmonika. Der neue Kunststoff mit seinen vielen (poly) Ester- und Urethan-Brücken heißt Polyesterurethan (PEU). Die Synthese vom PHB zum PEU lässt sich durch die Auswahl geeigneter Katalysatoren und Lösungsmittel steuerbar.

Julia Abele, Rosenstein-Gymnasium Heubach

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Text 4:

Forschung als Überraschungs-Ei

12-jähriges Mädchen erfindet Weltneuheit

 

Die heute 14-jährige Ricarda Neubauer aus dem fränkischen Bad Windsheim wirkt trotz eines großen Erfolgs als Forscherin bescheiden und zurückhaltend. Schon früher nahm sie mit „Untersuchungen zur Kartoffel“ erfolgreich am Wettbewerb „Schüler experimentieren“ teil. Ihr Interesse an Fragen wie „was rentiert sich eigentlich mehr, das Einpflanzen ganzer Kartoffeln oder nur der Triebe?“ beruht wie so oft auf reiner Neugier.

Die Idee, sich mit Kartoffeln zu beschäftigen, kam ihr in der Küche. Sie bemerkte, dass die dort lagernden Kartoffeln Triebe bekamen. An Ostern hatte sie eine interessante Idee. Auf dem Teller lagen viele Überraschungs-Eier und sie fragte sich, ob ein Kartoffeltrieb es schaffen könnte, die Plastikhülle zu sprengen, wenn man ihm etwas Erde und Wasser beigibt. Sie probierte es aus, und tatsächlich hatte es der Trieb nach einigen Wochen geschafft, das Überraschungs-Ei zu sprengen und sich danach normal zu entwickeln.

Der Hobbyreiterin Ricarda kam bei einem Ausritt die nächste zündende Idee. Sie sah, wie neben der Reitstrecke auf Äckern Dünger und Pflanzenschutzmittel weitflächig verspritzt wurden. Da dies Böden und Gewässer stark belastet, kam ihr die Idee, den Dünger und weitere Hilfsmittel gleich mit in die ,,Hülle’’ zu packen, also zusammen mit dem Saatgut. So war die Idee der Saatgut-Wirkstoff-Kapsel geboren. Darin sind Saatkorn oder Keimling und die einzelnen Wirkstoffe jeweils von Membranen umschlossen, die sich nacheinander durch die Bodenfeuchtigkeit auflösen und ihren Inhalt freigeben. Dabei gibt die Dicke der biologisch abbaubaren Membranen den zeitlichen Ablauf vor.  Mit der Idee der Saatgut-Wirkstoff-Kapsel erhielt sie den Naturschutzpreis „muna 2006“, den die Deutsche Bundesstiftung Umwelt zusammen mit dem ZDF alljährlich verleiht.

Die Vorteile der Kapsel sind, dass weniger Dünger und andere Wirkstoffe gebraucht werden, und sie sparen Arbeit. Da Felder maschinell bearbeitet werden, unterbleibt auch die Bodenverdichtung durch mehrmaliges Befahren. Inzwischen ist die Idee ,,Trieb mit Dünger in der Kapsel’’ patentiert worden. 

Aber auch damit ist diese Erfolgsgeschichte noch nicht beendet: Die Kooperation zwischen Ricarda und Professor Seliger hilft Ricarda dabei, für ihre Kapsel und die Membranen die perfekte Hülle aus Bioplastik zu entwickeln. Die Schwierigkeit dabei ist, dass die Hüllen sich genau im richtigen Zeitpunkt öffnen müssen.

Ricarda hofft, dass sie Jugendliche dazu anregen kann, Ideen zu entwickeln und zu verwirklichen. Deshalb hat sie einen Erfinderclub gegründet, der schon 12 Mitglieder hat.

 

Julia Abele, Josephine Meyer, Selin Cicigül, Rosenstein Gymnasium Heubach – Kaja Kostanjevec, Žan Petek, Gymnasium Ptuj

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Text 5:

Flachs hat Zukunft

Kein Flachs

 

„Jedes moderne Auto, sogar die neue S-Klasse von Mercedes-Benz, besteht teilweise aus Hanf und Flachs“, berichtet Professor Robert Kohler. Der drahtige Chemiker mit seiner eindrucksvollen Krawatte mit Periodensystem-Aufdruck arbeitet am Research Institute der Fachhochschule Reutlingen, die 1971 hier am Fuß der Schwäbischen Alb gegründet wurde. Sie zählt inzwischen 4.000 Studenten. Auf dem Eingangsschild zum Institut weist die Bezeichnung „Flachsinstitut“ auf eine alte Tradition hin.

Ein Arbeitsschwerpunkt von Professor Kohler sind Faser-Verbundwerkstoffe aus Bindemitteln und nachwachsenden Fasern. Vorbild sind Hochleistungs-Verbundwerkstoffe, gemischt zum Beispiel aus synthetischen Carbonfasern und einem Plast. Damit lassen sich praktisch alle Wunsch-Eigenschaften eines Plastikmaterials ausbilden.

Naturfasern aus Einjahrespflanzen wie Flachs sind eine echte Alternative zu synthetischen Fasern. Denn die Natur hat optimierte Materialien geschaffen, von denen bisher nur ein kleiner Teil genutzt wird. Der Nutzen aus der Verwendung biobasierter Stoffe liegt in der Einsparung fossiler Ressourcen und im verringerten Energieaufwand - die Energie hat ja bei ihrer Biosynthese die Sonne kostenlos beigesteuert. Und nicht zuletzt speichern sie große  Mengen CO2. „Man muss ältere Holzbestände abholzen und junge Bäume pflanzen, weil junge Bäume und vor allem Einjahrespflanzen durch ihr Wachstum mehr Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff umwandeln als alte Bestände“, sagt der Professor. „Die alten Bäume zu langlebigen Produkten verarbeiten und nicht verbrennen. Anschließend pflanzt man junge Bäume anstelle der alten. Das ist viel effizienter als alle Abgasnormen für Kraftfahrzeuge“.

Wie sieht die Zukunft für Naturfasern wie Flachs und Hanf aus? - Gelingt es, das molekulare Design der Pflanzen gentechnisch zu verändern, so lassen sich maßgeschneiderte Pflanzen entwickeln, deren Fasern sehr nützlich sein könnten. Denkbar sind verbesserte Bastfasern aus modifiziertem Hanf oder auch Biopolymere wie PHB, für deren Gewinnung man heute noch Bakterien braucht, die aber morgen aus transgenen Pflanzen stammen. Es bleibt spannend!    

 

Jonas Bohner, Jonas Hägele, Lukas Klotzbücher, Philipp Unfried, Rosenstein Gymnasium Heubach – Vid Izlakar, Tomaž Rojko, Timotej Pepelnik, Gymnasium Ptuj

 

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Text 6:

 

Die „Compounder“ von Reutlingen

 

Biobasierte Verbundmaterialien auf dem Vormarsch

 

Derzeit schätzt man die weltweiten Erdöl-Ressourcen auf 330 Milliarden Tonnen. Jede verbrauchte Tonne ist unwiederbringlich verloren. Dagegen wachsen jedes Jahr etwa 170 Milliarden Tonnen Biomasse nach, wovon man aber nur drei bis vier Prozent in Form von Holz und Getreide nutzt. Vermehrte Nutzung von Biomasse ist also sehr sinnvoll. Aber es geht nicht nur um Ressourcenschonung. Denn die Massenproduktion hat zu gewaltigen Umweltproblemen geführt. Deshalb sucht man nach Alternativen.

Aufgrund jahrzehntelanger Erfahrungen mit Naturfasern bekam die Fachhochschule Reutlingen einen entsprechenden Forschungsauftrag, in Kooperation mit Professor Seliger von der Universität Ulm. Die Ulmer optimieren die Bioplastikherstellung. In Reutlingen verfolgt die Gruppe um Professor Kohler die Idee der „Compoundierung“, die Vermischung von Kunststoff mit kurzfaserigen Zuschlagsstoffen. „Das funktioniert wie das Mischen der Zutaten beim Kuchenbacken“, erklärt Andreas Thiel bei der Vorstellung des Spritzgussverfahrens: „Um Hanffasern beimischen zu können, muss man den Kunststoff, der als Granulat geliefert wird, zuerst schmelzen. Das fertige Gemisch läuft als dünner Strang in ein Wasserbad, wo es heruntergekühlt wird auf 60 bis 80 Grad. Dann zieht die Granuliermaschine den Strang ein und fräst ihn zu reiskorngroßem Granulat. Das neue Produkt heißt dann zum Beispiel  „Polypropylen/Hanffaser 30, enthält also 30 Prozent Hanf“.  

Die biologisch abbaubaren Granulate eignen sich gut zum Spritzgießen. Damit lassen sich alle erdenklichen Formteile in großer Stückzahl und damit wirtschaftlich herstellen, von billiger Massenware bis zu Präzisionsteilen. Beim Spritzgussverfahren befindet sich das Granulat in einem Trichter, der auf einen Zylinder aufgesetzt ist. „Im Zylinder wird das Kunststoffgranulat durch Wärmezufuhr zu einer zähflüssigen Masse aufgeschmolzen“, erläutert Chemiestudent Rainer Rieger. Eine korkenzieherförmige Schnecke transportiert die Masse an das andere Ende des Zylinders, wo sie durch eine Düse in ein Gießwerkzeug eingepresst wird und dort erstarrt.

 

Autoren dieses Abschnitts:

Stefanie Drochner, Michaela Funk, Teresa Mazarella, Janine Ostertag, Jasmin Rieg, Caroline Waldenmaier, Rosenstein-Gymansium Heubach - Anamarija Meznarič, Jana Verbančič, Katarina Lešnik, Urška Škrjanec, Barbara Belšak,; Gymnasium Ptuj

 

Nach dem Auskühlen werden die Formteile in einem anderen Raum auf Herz und Nieren geprüft. Diplomingenieur Kai Nebel erläutert: „Dies ist ein klimatisierter Raum, in dem 21 Grad Celsius und 60 Prozent Luftfeuchtigkeit eingestellt sind, um reproduzierbare Messergebnisse zu erhalten“. Die Naturfasern in den Verbundwerkstoffen sind nässeanfällig. Hier muss zukünftig noch optimiert werden.

Vor dem Praxiseinsatz ist es wichtig zu wissen, welche Beanspruchungen ein Werkstoff aushält. Wie groß darf eine auf ihn wirkende Zugkraft sein, bevor er reißt? Festigkeit, Bruchsicherheit und Dehnbarkeit sind ausschlaggebend für die Qualität des Endprodukts.

Die mechanischen Eigenschaften misst man mit der Zugprüfmaschine, die auf den ersten Blick mehr an ein Gerät aus dem Fitnessstudio erinnert als an ein Prüfsystem. An der Maschine befinden sich zwei Haltezangen, in die der normierte Prüfkörper eingespannt wird. Mit dem Gerät lassen sich unterschiedlichste Materialien prüfen: Chips, Kekse, Textilien und natürlich auch Verbundwerkstoffe. Zur Demonstration verwendet Kai Nebel ein zuvor im Spritzgussverfahren hergestelltes grünes Plastikteil. Der längliche „Norm-Hundeknochen“ wird eingespannt und gedehnt. Die Zangen bewegen sich auseinander, bis das Verbundmaterial aus Polypropylen und Naturfaser reißt. An einem Computer kann man Zugkraft, Elastizitätsmodul, Bruchkraft und Dehnung ablesen. Anhand dieser Messdaten decken die Prüfer Schwachstellen auf und können so das optimierte Endprodukt entwickeln.

Naturfaser-Verbundwerkstoffe sind bei hoher Festigkeit leichter als vollsynthetische, verringern also in Kraftfahrzeugen das Gewicht, und der Benzinverbrauch sinkt. Sie erzielen bessere Ergebnisse beim Bruchverhalten und bei der Energieabsorption im Crashfall, und sie dämmen Geräusche besser. Der allgemeine Wunsch, im Automobilbau mehr auf nachwachsende Rohstoffe zu setzen und die hier geltenden hohen Qualitätsanforderungen, die von den heimischen Fasern Flachs und Hanf in besonderer Weise erfüllt werden können, eröffnen diesen nachwachsenden Rohstoffen trotz des etwas höheren Preises reelle Marktchancen.

 

Autoren dieses Abschnitts:

Anne Bormann, Lisa Geiger, Corinna Lang, Ruth Sachsenmaier, Phi Tran, Sylvia Tschigg; Rosenstein-Gymnasium Heubach - Kaja Jakolič, Staša Simonič,  Mateja Bratuša, Helena Ivančič, Gloria Trančar, Gymnasium Ptuj

 

 

 

 

 

 

Fotos zur Auswahl

 

I. Fotos zur Recherche in Ulm:

 

Foto »1_GH«:

Hoch konzentriert:

Prof. Hartmut Seliger beobachtet das Ergebnis eines der Versuche mit der deutsch-slowenischen Schülergruppe (Foto: Gerald Hühner)

 

 

Foto »2_GH«:

Prof. Hartmut Seliger erläutert der deutsch-slowenischen Schülergruppe einen seiner Versuche (Foto: Gerald Hühner)

 

 

Foto »3_GH«:

Prof. Seliger erläutert das Prinzip der Fertigung einer Folie aus Bio-Kunststoff....(Foto: Gerald Hühner)

 

Foto »4_GH«:

... und präsentiert die Folie den Projektschülern. (Foto: Gerald Hühner)

                                                                                                                      

 

 

 

 

 

Foto »4a_GH«:

Internationale Kooperation:

Prof. Seliger ermöglicht einem Projektschüler aus Ptuj den Versuch zu wiederholen, assistiert von einem Mitarbeiter des Ulmer Instituts aus Ghana (Foto: Gerald Hühner)

 

 

Foto »5_GH«:

Ein weiterer Projektschüler aus Ptuj wiederholt den Versuch. (Foto: Gerald Hühner)

 

 

 

 

 

Foto »6_GH«:

In Schutzkleidung vor dem Aufbau des Versuchs zur Fertigung einer Bio-Kunststofffolie: Zwei Projektschüler aus Ptuj (Foto: Gerald Hühner)

 

Foto »7_GH«:

Prof. Seliger und ein Schüler aus Ptuj bei der Herstellung des »verrückten Kaffeefilters«: Was zuvor wasserdurchlässig war, wird so zu einer wasserabweisenden Plastiktüte. (Foto: Gerald Hühner)

 

 

 

 

Foto »8_GH«:

Gespannte Gesichter: Wird das Experiment funktionieren? (Foto: Gerald Hühner)

 

 

Foto »9_GH«:

Es funktioniert: Der ehemalige Kaffeefilter wurde zur »Kunststofftüte«, die kein Wasser mehr durchläßt; und der Professoer strahlt. (Foto: Gerald Hühner)

 

 

 

 

 

Foto »10_GH«:

Ricarda Neubauer präsentiert die Bestandteile ihres Versuchsaufbaus: Keimende Kartoffel und die Kunststoffhülle von »Überraschungseiern« (Foto: Gerald Hühner)

 

 

Foto »11_GH«:

Forschung über Generationen:

Prof. Seliger und die von ihm geförderte Ricarda Neubauer (Foto: Gerald Hühner)

 

 

 

 

Foto: »12_GH«:

Prof. Seliger, Ricarda Neubauer und die deutsch-slowenische Projektgruppe in der Uni Ulm (1).

(Foto: Gerald Hühner)

 

Foto »13_GH«:


Prof. Seliger, Ricarda Neubauer und die deutsch-slowenische Projektgruppe in der Uni Ulm (2).

(Foto: Gerald Hühner)

 

 

 

 

 

II. Fotos zur Recherche in Reutlingen:

 

                                                                      

Foto »14_Vid«:

Auswahl von Anwendungen für Faserstoffe, FH Reutlingen; Dipl.-Ing. Kai Nebel

(Foto: Vid Izlakar)

 

 

Foto »15_Vid«:

Extrusion – Entstehung eines Kunststoff-Fadens, aus dem... . (Foto: Vid Izlakar)

 

 

 

 

Foto  „16_Vid“:

...anschließend reiskorngroßes Granulat erzeugt wird. . (Foto: Vid Izlakar)

 

 

                 

Foto »17_Vid«:

Zerreißprobe – Der „Norm-Hundeknochen“ nach dem Werkstofftest. (Foto: Vid Izlakar)