„Umwelt-baut-Brücken“

 

Projekt der Schulen aus Heubach/Deutschland und Ptuj/Slowenien

 

Programm in Ptuj zum Thema „Abfallwirtschaft“

6.-12. Februar 2006

 

Texte/Fotos für den Abdruck in der Süddeutschen Zeitung:

 

 

1.

 

Die Stadt, der Müll und das Brot

Kleine Geschichte der Abfallwirtschaft in Ptuj

 

 

,, Mit dem Müll, der in den letzten 10 Jahren in Ptuj entstanden ist, könnte man einen zweiten Burghügel errichten, so hoch  wie der gesamte Burgberg mit der Burg in unserer Stadt", sagt Andrej Koter, Direktor von Čisto Mesto, und zeigt auf das Schloss, das die Flussniederung der Drau um 80 Meter überragt.

Ptuj, die älteste Stadt Sloweniens, schmiegt sich schon seit römischer Zeit an den Burghügel und ist mit ihren ca. 18.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der slowenischen Steiermark, eingebettet in das Dreiländereck Österreich, Ungarn und Kroatien.

Seit 1991, dem Jahr der Unabhängigkeit Sloweniens, ist die 25 km südöstlich von Maribor gelegene Stadt  Mittelzentrum für 16 zur Verwaltungseinheit Spodnje Podravje („Untere Drau“) gehörende Gemeinden mit insgesamt 75.000 Einwohnern.

 

Die Unabhängigkeit und die Őffnung nach Westen brachten auch ausländisches Kapital in den nördlichsten Teilstaat des zerfallenden Jugoslawiens. Österreichisches Kapital und know how verbanden sich mit slowenischem Geschäftsinteresse, und es entstand EKO-LES, ein Unternehmen, so Geschäftsführer Vilko Pešec, das sich schon im Namenskürzel zum Ziel setzt, Logistik und Ökologie Sloweniens zu verbinden. Oder wie es der Bürgermeister von Ptuj, Dr. Štefan Čelan  in fast akzentfreiem Deutsch auf den Punkt bringt: "Wir möchten Müll verarbeiten und damit Geld verdienen."

 

Die Gemeinde Ptuj ist mit 27% an Čisto Mesto beteiligt; 73% hält das Mutterunternehmen EKO-LES. Čisto Mesto („Sauberer Ort“) sorgt für die Abfallbeseitigung in der Region „Untere Drau“ und entsorgt seit 15 Jahren den Müll von ca. 25.000 Haushalten im Grenzgebiet zu Kroatien. 

Der schon frühzeitig angestrebte EU-Beitritt führt dazu, die EU-Vorschriften im Bereich der Abfallwirtschaft zu erfüllen, so dass am 1.Mai 2004 beim Beitritt zur EU die Hausaufgaben im Bereich des Umweltschutzes gemacht sind.

 

Bereits 1996 wird die alte Mülldeponie der Gemeinde, Brstje, modernisiert. 2001 wird sie aufgegeben und rekultiviert. Heute erinnern nur noch eine kleine Erhebung und das dichte junge Pappelgehölz an die stinkende Vergangenheit. Gleich daneben erstreckt sich das neue Gelände von CERO Gajke, dem Zentrum der Abfallwirtschaft auf der Gemarkung Gajke. Hier  werden seit 2003 auf 15 Hektar die Abfälle der 16 Gemeinden der Verwaltungseinheit gesammelt, bearbeitet, entsorgt und deponiert. 

 

Man schätzt, dass die Fläche von 15 Fußballfeldern bis 2016 den Müll von ca. 100.000 Menschen aufnehmen kann. Dann endet die Konzession und es muss mit der Rekultivierung begonnen werden. Vilko Pešec vermutet, dass ab 2008, wenn für alle Gemeinden Sloweniens die Übergangsregelung der EU ausläuft, der Müll von weiteren ca. 35.000 Personen entsorgt werden kann. "Gemeinden mit bis zu 40km Entfernung sind dann für uns mögliche Geschäftspartner". Der Geschäftsführer ist stolz darauf, seine Umweltlogistik bereits nach Novi Sad in Serbien-Montenegro und ins mazedonische Skopje transferiert zu haben. 

 

Pia Galuschka, Hannah Sachsenmaier, Stella Staus, Gymnasium Heubach

Tadeja Leskovar, Eva Kamenšek, Katarina Rozman, Gymnasium Ptuj

 

 

2.

 

Die grüne Mauer von CERO Gajke

Das Ballierungssystem für Restmüll in Ptuj/Slowenien

Ein Bügeleisen neben einer Dose Haarspray, Eierschalen neben zerrissenen Strumpfhosen, Haarbüschel unbekannter Herkunft. Ein drei Meter hoher Berg aus übel riechendem Müll türmt sich vor einem Förderband. Laut scheppernd schiebt ein schwerer Schaufellader diesen Haufen in eine Auffanggrube. Staub wirbelt auf, der Geruch wird intensiver. Schließlich beisst Modergeruch in der Nase.

 

Durch das offene Tor fällt ein wenig Licht in die graue Halle, dennoch trüben Staubwolken die Sicht. Wir sind bei der Firma ČISTO MESTO und zwar im „Zentrum für Abfallbehandlung" des Mutterkonzerns EKO-LES. Das Unternehmen ist in der slowenischen Stadt Ptuj für die Müllentsorgung zuständig. Das Besondere am Entsorgungskonzept der Firma ist die Ballierung von Müll.

 

Das Förderband transportiert den Müll sechs Meter steil nach oben und kippt ihn in einen großen Metalltrichter. Einen Augenblick später ist nichts mehr von dem locker aufgehäuften Müll zu sehen. Eine 200-Tonnen-Presse verdichtet die Abfälle zu 2-Kubikmeter-Ballen. Das Krachen zusammengepresster Plastikflaschen und berstenden Glases unterbricht die Stille. Fünf Minuten später ist nichts mehr von den einzelnen Bestandteilen des Ballens zu erkennen. Die Presse wirft einen Müllquader aus.

 

„Wir haben ein Platzproblem", erläutert Vilko Pešec, Geschäftsführer von EKO-LES. „Kein Mensch will in seiner Nachbarschaft eine Mülldeponie haben. Lange erhielten wir keine Genehmigung für unsere neue Mülldeponie, die alte platzte aber bereits aus allen Nähten und so mussten wir den Müll am angrenzenden Friedhof von Ptuj  zwischenlagern".

 

Der 51jährige Diplom-Ingenieur berichtet, dass die Anwohner erst nach langem Widerstand und heftigen Auseinandersetzungen der Errichtung einer neuen Mülldeponie zustimmten. Seine dunkle Sonnenbrille verrät nicht, worauf sein Blick gerade gerichtet ist. Doch er zeigt mit ausgestrecktem Arm gen Norden auf einen rekultivierten, mit kleinen Bäumen bepflanzten vier Meter hohen Wall, hinter dem bis 2003 die Müllballen zwischengelagert waren.

 

„Die immer höher werdende Mauer aus grünen Müllquadern überzeugte dann Gott sei Dank die Anwohner von der Dringlichkeit des Problems." Eine wesentliche der sechzig Forderungen der Anwohner war, das 2001 eingeführte Ballierungssystem beizubehalten. Die Idee, Müll in Plastikfolien zu verpacken, erschien allen Beteiligten als die vorerst beste Lösung. So lässt sich der Müll bequem stapeln.

 

Das Ballierungsverfahren funktioniert nach italienischen und skandinavischen Vorbildern. Stolz betont Vilko Pešec, dass auch Experten aus Slowenien maßgeblich an der Entwicklung beteiligt gewesen seien und zeigt auf die Foliermaschine, die die Müllquader wetterfest macht.

 

Nach dem Pressvorgang schnürt die Maschine um jeden Ballen zwei Kilogramm Stahlseil. Dann umwickeln zwei rotierende Maschinenarme die Ballen mit hauchdünner, grüner Haftfolie. Die Folie windet sich 16  Mal vertikal, 16 Mal horizontal und anschließend weitere 20 Mal vertikal um den überdimensionalen Legostein, wobei die Kanten bis zu sechs Lagen Folie übereinander aufweisen. Nach zweieinhalb Minuten ist der im Durchschnitt 1,6 Tonnen schwere Müllquader um 2,5 kg schwerer.

 

„Die sehr robuste Verpackung bringt uns entscheidende Vorteile. Früher fielen die Tauben und Möwen vom nahe gelegenen Ptujer Stausee in Scharen über den Müll her und verteilten ihn in der ganzen Landschaft." Heute freuen sich Besucher und Mitarbeiter ebenso wie die Anwohner besonders über die Reduzierung des Modergeruchs.

 

Luftdicht verpackt gelangt der Ballen per Knopfdruck auf den im Freien stehenden Teil des Laufbandes. Ein Baufahrzeug fährt heran und ergreift sachte mit zwei an der Fahrzeugfront angebrachten quer ausgerichteten Greifzangen die Ballen. „Es ist besonders wichtig, dass dabei die Folie nicht beschädigt wird."

 

Um die fünfzig etwa 2xlxlm-Ballen entstehen so pro Werktag. Anschließend werden sie 200m entfernt von der Ballierungsanlage wie eine Ziegelmauer aufgeschichtet. So wuchs im Lauf der Zeit eine siebenstöckige Mauer empor. Und jedes Jahr werden es gut 9.000 Müllquader mehr. Bis 2018 sind auf diese Weise wohl viele Hektar „begrünt“ und der plastikverpackte Müll wird den Großteil der 15 Hektar großen Mülldeponie von CERO Gajke ausfüllen.

 

 

Ohne Ballierung wären 20% mehr Deponieraum erforderlich. Denn in herkömmlichen Deponien verdichten Planierraupen den Müll weniger stark. Ein Kubikmeter ballierter Pressmüll wiegt bis zu 850 kg, während herkömmlich verdichteter Deponiemüll es auf nur 700kg bringt. Was jedoch in dreizehn Jahren passieren wird, wenn die Konzession abläuft ist, ist dem Geschäftsführer im schwarzen Mantel noch unklar. „Es wäre theoretisch möglich, diese Ballen in Müllverbrennungsanlagen thermisch zu entsorgen. Jedoch ist das leider noch ein rotes Tuch für unsere Bevölkerung.

 

So wächst sie und wächst sie, die „grüne Mauer von Cero Gajke. Ob sie jemals in Rauch aufgehen wird, steht in den Sternen von Ptuj.

 

 

Katharina Deininger, Frank Butz, Stella Staus, Hannah Sachsenmaier, Pia Galuschka, Denise Nuding,

Gymnasium Heubach

Dejan Veselič, Lucija Tratnik, Tadeja Leskovar, Katarina Rozman, Eva Kamenšek, Miha Andrič,

Gymnasium Ptuj

 

 

3.

Ende oder Neubeginn?

Kompostierung im Zentrum für Abfallentsorgung CERO Gajke

 

„Wie auf dem Bauernhof!" Die slowenische Gymnasiastin Tamara Kokot ist überrascht. Große, mit grüner Folie umwickelte Ballen stapeln sich zehn Meter hoch auf dem Gelände, das einem landwirtschaftlichen Betrieb ähnlich sieht. So hat sie sich eine Mülldeponie nicht vorgestellt. Sie liegt 5 km von Ptuj entfernt, im Zentrum für Abfallbehandlung CERO Gajke.

Die Anlage in einer Flussniederung der Drau wirkt unauffällig, da sie zwei Meter unter Bodenniveau liegt. Umgeben von einem Erdwall, auf dem kleine Tannenbäume gepflanzt sind, ist sie vor neugierigen Blicken aus vorbeifahrenden Autos fast komplett abgeschirmt.

„Jedes Stück Müll hat seinen eigenen Platz", erklärt die technische Leiterin Marjana Čabrijan. Seit zwei Jahren leitet die 36jährige Diplom-Ingenieurin diese Deponie. Aus ihrem Büro überwacht sie auch per Computer den Kompostierungsvorgang. In einer grauen Halle schiebt ein gelber Schaufellader eine braune erdähnliche Masse zusammen und lädt sie auf einen grünen Container. Inmitten der „Erdmasse" erkennt man noch vereinzelt Salatblätter, Tomaten- und Orangenreste.

Der von Firmen und Privathaushalten angelieferte Biomüll wird sofort nach der Ankunft in dieser Halle zermahlen und durchmischt. Von dort aus kommt er später in 8 grüne Container, die jeweils 25 Tonnen Biomasse fassen. „Der größte Teil kommt von Supermärkten, Restaurants und Bauernhöfen", übersetzt Nataša Kostanjevec ins Deutsche. Für die Deutsch- und Geographielehrerin am Gymnasium in Ptuj ist es nicht ganz einfach, Čabrijans Vortrag zu folgen, denn die Ingenieurin präsentiert sehr ausführlich ein komplexes Verfahren.

Die 14 Tage dauernde Kompostierung in den Containern wird per Computer über ein Belüftungssystem gesteuert. So werden optimale Bedingungen für die Zersetzung des Biomülls durch Mikroorganismen geschaffen. Ganz wichtig sind hohe Feuchtigkeit, eine Temperatur von 60°C und 18% Sauerstoffgehalt. Bei einem herkömmlichen Komposthaufen vergehen bis zur Verrottung zwei bis drei Jahre.

„Iiiihhhh, eine Ratte!", schreit plötzlich eines der Mädchen aus der Gruppe. Rasch verschwindet das Tier  zwischen den Containern. „Auch wenn innerhalb der Deponie auf Sauberkeit großer Wert gelegt wird, lässt es sich nicht vermeiden, dass ab und zu eine Ratte doch einen Weg in die Anlage findet", bemerkt die Diplomingenieurin. Dass es hier nicht riecht, liegt am hohen Sauerstoffgehalt. „Biomüll stinkt nur, wenn er nicht genügend belüftet wird."

Nach 2 Wochen in den Containern reift das Zwischenprodukt noch ein halbes Jahr in einer separaten Halle. Zur rechten und linken Seite ist der Kompost aufgetürmt. Das zwei Wochen alte Material dampft noch wie ein frischer Misthaufen im Winter: Der Kompost ist noch nicht ausgereift. Die Führerin sagt, dass ausschließlich organische Abfälle kompostiert werden. Doch bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass sich im ungesiebten Erdhaufen noch Plastikreste von Flaschen und Folien befinden. Nach der Ausreifung wird das Material gesiebt. Das Endprodukt lässt sich dann nicht nur gut anfassen, sondern es riecht „auch nicht schlecht!“

Und so lässt sich dann der Kompost auch gut verkaufen. Die Überreste, die im Trommelsieb zurück bleiben, dienen später dazu, bei der späteren Rekultivierung den nicht verwertbaren, ballierten Müll zu bedecken. Jährlich können 2000 Tonnen Dünger an Bauern, Privathaushalte und Weinbaubetriebe verkauft werden. „Uns geht es nicht nur darum Geld damit zu verdienen, sondern Deponieplatz einzusparen. Ein Kubikmeter Deponieraum kostet 100 Euro."

Im ganzen Betrieb sind rund 70 Mitarbeiter beschäftigt. Zehn arbeiten in der Verwaltung, 20 auf dem Gelände, der Rest außerhalb. Neben der Kompostierungsanlage steht eine Schreddermaschine zur Zerkleinerung des Biomülls und zum Häckseln von Holz. Die dabei gewonnenen Holzhackschnitzel werden als Brennmaterial verkauft.

Weintrinker hoffen, dass durch die Verwendung des Komposts in den Weinbergen der Geschmack des jetzt schon hervorragenden Weines der Region noch besser wird.

 

Nina Glöckner, Elena Fuhrmann, Ann-Kathrin Frey, Sarah Krieg, Malena Lindenberger, Felicitas Hohler, Gymnasium Heubach

Nina Jazbec, Jasmina Hauptman, Sabina Herga, Tamara Kokot, Diana Majcen, Urška Fakin, Gymnasium Ptuj

 

 

4.

 

Reif für die Öko-Insel?

Mülltrennung und –entsorgung rund um Ptuj/Slowenien

 

Vlado Cafuta steigt aus dem gelben Pick-up und schlägt die Autotűr zu. Die Leuchtstreifen seiner neongelben Weste blitzen im Sonnenlicht grell auf. Er steht vor einer der 356 »Őko-Inseln« der Verwaltungseinheit Ptuj; doch ihn erwartet kein Urlaub am Palmenstrand, sondern seine Arbeit.

Braune, mannshohe Bretter grenzen den ungefähr garagengroßen  Bereich ab. Die vier 1000 Liter fassenden Container unterscheiden sich nur durch ihre Deckel: Blau steht für Papier, rot für Plastik, gelb für Metalle und weiß für Glas.  Um die Wannencontainer aufeinandergestapelt: Volle Müllsäcke. »Anstatt ihren Műll zu trennen und dann vorschriftsgemäß zu entsorgen, stopfen ihn einige rűcksichtslose Bűrger wahllos in Műllsäcke und legen sie einfach so in den »Őko-Inseln« ab«, ärgert sich der untersetzte Műllmann. »Wir von Čisto Mesto műssen ihn dann selbst sortieren«, beklagt er sich. Doch in der 5700-Seelen Gemeinde Videm, sowie in den weiteren 15 Gemeinden der Region Ptuj unternehmen die Behőrden nichts dagegen. Sie sind vielmehr froh, dass die Bűrger ihren Műll űberhaupt in die »Őko-Inseln« bringen.

Eine »Öko-Insel«, erläutert Franc Merc, technischer Leiter bei Čisto Mesto, ist jeweils für 300 Haushalte gedacht. Seit 1991 ist der Gebrauch einer Mülltonne in Slowenien Pflicht. So gibt es laut offiziellen Verlautbarungen heute keine der ehemals rund 400 wilden Műllkippen mehr. Immerhin 74% der 1800 Haushalte von Videm nehmen heute den Műlltransport in Anspruch. In den Nachbargemeinden Podlehnik und Žetale werden »Öko-Inseln« erst im Frühjahr 2006 eingeführt.

Pro Monat bezahlen alle Haushalte entweder  umgerechnet 7,50€ fűr 80 Liter im Einpersonenhaushalt oder 13€ fűr 240 Liter im Mehrpersonenhaushalt an die őrtliche Műllversorgung Čisto Mesto. Die durchschnittliche Haushaltsgröße in der Verwaltungseinheit »Untere Drau« beträgt 3,1 Personen. Alle zwei Wochen werden die Tonnen geleert.

Vlado holt die vollen, blauen Műllsäcke aus den Containern und hievt sie auf den Műlllaster. Vor acht Jahren hat er ohne eine Ausbildung bei Čisto Mesto angefangen. »Die Arbeit ist anstrengend, doch ich bin zufrieden und kann nicht klagen.«, sagt der grauhaarige Angestellte von Čisto Mesto. 

Die Arbeitszeiten eines Müllmanns sind je nach Jahreszeit unterschiedlich. Im Winter sind die Mitarbeiter von Čisto Mesto von sieben bis fűnfzehn Uhr, im Sommer von sechs bis vierzehn Uhr unterwegs. Alle tragen dieselbe Uniform. Sie besteht aus einer dunkelgrűnen Hose, einer roten Jacke mit weißen Streifen und dem Firmenschriftzug, einer neongelben Warnweste und grauen Arbeitshandschuhen. Die Müllwägen sind speziell für ihre Aufgaben ausgestattet. Es gibt drei verschiedene Fahrzeugtypen: Kleine Pick-ups holen die Müllsäcke der »Öko-Inseln«. Große weiße Müllfahrzeuge entleeren die Mülleimer der Haushalte und pressen den Müll im Wagen zusammen. Die modernen Mercedes-Laster können 14m³ Abfälle aufnehmen. Ähnliche Wagen werden für den Abtransport von buntem Altglas und Papier eingesetzt.

Der gelbe Pick-up biegt in das Gelände von CERO Gajke, der zentralen Mülldeponie ein und lädt seinen Müll ab. Vlado hat jetzt Feierabend. Still ruht die Deponie.

 

Helen Lackner, Christina Wiest, Timo Haas, Felix Bittermann, Alexander Fischer, Vera Pfister, Gymnasium Heubach

Tadej Medved, Karmen Kokot, Ino Murko, Lea Majcenovič, Don Ciglenečki, Andreja Drevenšek, Gymnasium Ptuj

 

 

5.

 

Altöl, Sprays und morsche Sofas

Schadstoff- und Sperrmüll-Entsorgung bei CERO Gajke

 

Totenkopf und Stichflamme auf den Warnschildern weisen auf die Gefahr hin. In dem fünf Meter langen Container werden gefährlichen Abfälle gelagert: weiß und blumenverziert,  aber stark abgenutzt.

Andrej Koter spricht ein wenig Deutsch. Er ist Direktor der 1991 gegründeten Firma Čisto Mesto, auf Deutsch: »sauberer Ort«, einer Tochterfirma der österreichisch-slowenischen Müllverarbeitungsfirma EKO-LES. Koter, ein 57jähriger Diplom Ingenieur, trägt eine dunkel getönte Hornbrille und einen modischen 3-Tage-Bart. Die wenigen Haare auf seinem Kopf sind grau und kurz geschoren. In seiner dunkelgrünen Jacke und schwarzen Hose weist er auf einen weißen Großcontainer, in dem die Problemstoffe gesammelt werden. Sein Handy klingelt nun schon zum zweiten Mal. Er beendet das Gespräch nach  5 Sekunden: Uns Rede und Antwort zu stehen ist ihm offensichtlich wichtiger.

Die für Lebewesen oder Umwelt gefährlichen Stoffe werden auch Schadstoffe oder Problemstoffe genannt. Dazu zählen Farben, Lacke und organische Lösungen, Bleiakkus samt Säuren, Spraydosen, vorwiegend mit Farbresten, nicht mehr gebrauchte Arzneimittel, ranzig gewordenes Speiseöl, hauptsächlich aber Altöl.

Die Stadt Ptuj hatte schon vor 20 Jahren große Probleme mit dem Grundwasser, und man musste sich deshalb schon relativ früh mit der Schadstoffproblematik auseinandersetzen. Ptuj spielt deshalb eine gewisse Vorreiterrolle in Slowenien.

Von Čisto Mesto werden keine gewerblichen Schadstoffe gesammelt, sondern nur das, was in Privathaushalten anfällt. Gefährlichen Müll können die Bürger am einfachsten eigenhändig bei der „Ökoinsel“ der Deponie abgeben. Anders als in Deutschland muss man hier auf einem Formular vermerken, welche Stoffe man abgeben möchte. Einfacher ist es, die Schadstoffe zu Hause zu lagern, bis sie ein Mal im Jahr abgeholt werden.

Wie wir uns überzeugen konnten, wird auch der »illegale« Weg beschritten, indem die Problemstoffe einfach dem Restmüll beigemischt werden. Die in Slowenien üblichen, stolze 240 Liter fassenden Restmülltonnen verleiten einfach leider dazu.            

Einen Teil der gefährlichen Abfälle kann Slowenien selbst weiterverarbeiten. So wird das gesamte Altöl zunächst mit Sand und Wasser grob gereinigt und dann bei der Befeuerung in Zementfabriken verwendet. Spraydosen samt Restinhalt werden in einer der für kleine Mengen geeigneten Verbrennungsanlagen thermisch bearbeitet; als Endprodukt entsteht wertvolles Aluminium. Alle anderen gesammelten Schadstoffe werden auf die Reise nach Österreich oder Deutschland geschickt und dort weiter bearbeitet In der monatlichen Müllgebühr von 13 Euro ist auch die Entsorgung der Schadstoffe und des Sperrmülls inbegriffen.

Der Sammelplatz für Sperrmüll ist eine weitere Station unseres Rundgangs. Dort lagern Matratzen, Bettgestelle und halbe Einrichtungen, aber auch Haushaltsgeräte wie Herde oder Kühlschränke. Als Sperrmüll bezeichnet man schadstofffreien Müll, der zu groß für die Mülltonne ist. Auch Sperrmüll wird ein Mal jährlich von Čisto Mesto abgeholt oder man bringt ihn selbst zur Deponie. Diplom Ingenieur Koter erläutert, dass der Holzanteil des Sperrmülls geschreddert wird. „Die Holzschnitzel werden gelagert und zerfallen langsam zu minderwertiger Erde. Diese dient, wenn die Deponie voll ist, zur Abdeckung der 15 Hektar umfassenden Deponie.

Bearbeitetes oder chemisch verändertes Holz wie Spanplatten gelangt zusammen mit dem Restmüll zur Deponie. Alte Kühlschränke werden zerlegt und die FCKW-haltigen Bestandteile ins Ausland abtransportiert und dort verwertet.

Die Sperrmüllabteilung der Deponie macht einen sauberen und sehr ordentlichen Eindruck. Fast kaum zu glauben, dass es sich in diesem Bereich von CERO Gajke um eine Mülldeponie handelt.

 

Lorenz Boigner, Daniel Eisenbeiß, Manuel Grampes, Thomas Klotzbücher, Kenan Mardini, Sebastian Rabenzki, Gymnasium Heubach

Nejc Jurič, Lovro Rojko, Luka Mlinarič, Tom Peinkiher, Leon Šerbak, Matej Gregorec, Gymnasium Ptuj

 

6.

 

Alle Müllwege führen nach Europa

Kleine Umfrage zum System der Abfallentsorgung in Ptuj/Slowenien

 

 

 

Logistische Schnittstellen der Firma EKO-LES sind die sogenannten Öko-Inseln. Über dieses Konzept ist man geteilter Meinung, wie eine Umfrage unter 130 Oberstufenschüler des Gymnasiums Ptuj zeigt.

 

Die eine Hälfte der Befragten hält das Konzept für gelungen, die andere stört sich vor allem daran, dass die Container des Öfteren überquellen. Deshalb wünscht sich mehr als ein Drittel, dass auch recycelbare Materialien wie Plastik, Papier und Glas von der Müllabfuhr direkt am Haus abgeholt werden.

 

Wie die Verantwortlichen andeuten, gibt es die Überlegung, auch in Slowenien ein dem deutschen ähnliches Duales System einzuführen. Denn hier scheint auch der wunde Punkt des bisherigen Konzeptes zu liegen:

 

Die Haushalte zahlen für ihre 240l- Müllbehälter eine Gebühr von 13€ pro Monat. Dafür holen die Müllfahrzeuge von Čisto Mesto im 2-Wochen Rhythmus den Hausmüll ab. Verglichen mit den 60-, 80-, 120l- Mülleimern  deutscher Haushalte stehen den Haushalten in der Region Ptuj mit einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 3,1 Personen Behälter mit doppelter bis dreifacher Müllkapazität zur Verfügung.

 

So schlagen viele Schüler vor, die Müllgebühr nach der Größe zu staffeln, um so einen Anreiz zu schaffen, den Müll zu trennen und Müll zu vermeiden.

 

Im Allgemeinen scheint das Konzept von EKO-LES jedoch gut anzukommen. Die Verantwortlichen des Unternehmens weisen ebenso wie die Gymnasiasten auf die Bedeutung der Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit hin. Denn ein Ergebnis der Umfrage ist: Die Bedeutung einer verantwortungsvollen Müllentsorgung ist vielen noch nicht bewusst. Daran muss gearbeitet werden!

 

Daniel Eisenbeiß, Lorenz Boigner, Gymnasium Heubach

Miha Andrič, Lovro Rojko, Matej Gregorec, Gymnasium Ptuj

 

 

 

7.

 

 

 

Fotos zur Auswahl für DELO und Süddeutsche Zeitung

(Die von den Redaktionen ausgewählten Fotos werden in der Auflösung 1MB zugesandt.)

 

Foto 1:

Andrej Koter, Direktor Čisto Mesto, im Interview mit Schülern

 

Foto2:

 

Vilko Pešec, Direktor EKO-LES, im Interview mit Schülern im Zentrum CERO Gajke.

 

 

Foto 3:

 

Franc Merc (Mitte), technische Leitung bei CERO Gajke, im Gespräch mit Schülern

 

Foto 4:

 

Vilko Pešec (rechts) im Gespräch mit Projektlehrer Helmut Rössler (Heubach)

 

Foto5:

 

Schüler am Info-Stand von EKO-LES und Čisto Mesto im Gymnasium Ptuj

 

 

 

Kompostierung in Containern bei CERO Gajke, Ptuj:

 

 

Foto 6:

 

Foto 7:

 

Marjana Čabrijan, technische Leiterin des Zentrums CERO Gajke, erläutert den Schülern das Verfahren der Kompostierung (oben) und die Qualität des Endprodukts Kompost (unten)

 

Foto 8:

 

 

 

Andrej Koter (Direktor Čisto Mesto) ist ebenfalls von der Qualität des Kompost überzeugt:

 

 

Foto 9:

 

 

 

Im Lager für Sperrmüll im Zentrum für Abfallentsorgung CERO Gajke:

 

Foto 10:

 

 

 

Das Verfahren zur Ballierung und Deponierung von Müll:

 

Foto 11:

 

In einer Halle schiebt ein Schaufellader den Müll zu einem Förderband

 

Foto 12:

 

Der Müll wird in Quader gepresst...

 

Foto 13:

 

... und in Folie gewickelt

 

Foto 14:

 

Die fertigen Ballen verlassen über ein Förderband die Halle (Hintergrund)...

 

Foto 15:

 

... und werden dann vorsichtig, um die Folie nicht zu schädigen,  zur Deponie transportiert....

 

Foto 16:

 

Foto 17:

 

Vor der „grünen Mauer“ von CERO Gajke – die Deponie mit den aufgestapelten Müllballen:

 

Foto 18:

 

Foto 19:

 

Foto 20:

 

Fotos: Gerald Hühner (Ptuj)