„Umwelt-baut-Brücken“ – „Okolje gradi mostove“

Projekt der Schulen aus Ptuj/Slowenien und Heubach/Deutschland

Programm in Ptuj und Laško zum Thema „Abwasserbeseitigung“

(5.-10. Februar 2007)

 

Texte und Fotos (Katalog s.u.) zur Auswahl für DELO und deutsche Projekt-Zeitung

(Die von den Redaktionen ausgewählten Fotos werden in der Auflösung 1MB zugesandt.)

 

 

Text1:

 

Schweine, Gülle, Proteine

Das Umweltkonzept (Öko)² der Stadt Ptuj

Ein Interview mit Bürgermeister Dr. Štefan Čelan

 

Dr. Štefan Čelan (49), Bürgermeister der Stadt Ptuj in der slowenischen Steiermark, steht Schülern des Rosenstein-Gymnasiums Heubach und des Gymnasiums von Ptuj Rede und Antwort.

 

Herr Čelan, Sie sind seit 2006 nun in der zweiten Amtsperiode Bürgermeister von Ptuj. Könnten Sie unseren deutschen Lesern, denen Ptuj vielleicht kein Begriff ist, Ihre Stadt kurz vorstellen?

Ptuj liegt im Dreiländereck zwischen Slowenien, Kroatien und Ungarn, ungefähr 120 Kilometer nordöstlich von Ljubljana. Es leben rund 25.000 Menschen in Ptuj, der ältesten Stadt Sloweniens. Überregional bekannt ist die Stadt vor allem durch den traditionellen Kurenten-Karneval, aber auch eine bedeutende Geflügelfirma, die immerhin in den vergangenen Jahren einige Male das Münchner Oktoberfest beliefern konnte. Ungefähr ein Drittel aller Menschen hier in der Region Štejerska leben direkt oder indirekt von dieser Firma.

Massentierhaltung führt doch sicher zu einer großen Umweltbelastung?

Sie können sich vorstellen, dass bei 33 Millionen Hühnern und einer Produktion von 100 Tonnen Schweinefleisch jährlich jede Menge Gülle entsteht. So fallen täglich 1500 m3 Hühnergülle und 500 m3 Schweinegülle an. Mit unseren jetzigen, bereits 25 Jahre alten kleineren Kläranlagen können wir die dadurch extrem belasteten Abwässer nicht mehr ausreichend reinigen. Die EU-Umweltstandards zwingen uns

hier in diesem Bereich Neuinvestitionen vorzunehmen.

 

 Wie wollen Sie dieses Problem nun konkret lösen?

Die Ausschreibung für den Bau einer neuen Kläranlage, die nach dem Prinzip des Verfahrens (ÖKO)2 arbeiten soll, ist auf den 5. März 2007 terminiert. Bisher sind schon 21 Angebote eingegangen. Sie werden verstehen, dass ich Ihnen über die Bewerber keine Angaben machen kann. (ÖKO)2  in unserem Konzept bedeutet, dass wir nicht nur die Schadstoffe der Gülle entsorgen, sondern sie einer Wiederverwertung zuführen. Ökologie zum Quadrat ist also die Verbindung und Ergänzung von Umweltschutz und Ökonomie, sozusagen die Quadratur der Ökologie. Ziel ist ein Ganzheitsumweltschutz, wie ich unsere Konzeption gern nenne. Wir wollen die in der Gülle enthaltenen Proteine zurückgewinnen. Mein Freund Otmar Gojcio hat hierfür ein besonderes Verfahren entwickelt und dafür das Patent  eines „Verfahrens und der Vorrichtung zur Gewinnung eines konzentrierten Eiweißextraktes aus der Flüssigkeit von Gülle“ erhalten.

Heißt das, Sie wollen aus Gülle Proteine erzeugen?

Wir glauben, die Proteine zu einem Preis von 4 bis 8 Euro pro Kilo verkaufen zu können. Als Hauptabnehmer sehe ich die Kosmetikindustrie. Sie verwendet Proteine vor allem für die Herstellung von Hautcremes. Aber das ist nur die eine Seite unseres Wirtschaftsunternehmens. Gleichzeitig wollen wir auch noch Energie in Form von Biogas gewinnen. Das verkaufen wir dann an eine örtliche Aluminiumfirma.

Und wie wird dieses Projekt finanziert?

Die Kosten belaufen sich insgesamt auf 44 Millionen Euro und werden zu 65 Prozent durch Strukturmittel aus dem europäischen Strukturfonds finanziert. 25 Prozent der Kosten trägt der Staat, die restlichen 10 Prozent die Gemeinde. Unsere Gemeinde verfügt über ein bis zwei Millionen Euro Haushaltsmittel jährlich. Wenn ich daran denke, dass meinem Bürgermeisterkollegen in unserer Partnerstadt Burghausen 85 Millionen Euro zur Verfügung stehen, bei ebenfalls 20.000 Einwohnern, werde ich ganz neidisch.

Sie scheinen sich mit diesem Thema sehr gut auszukennen. Haben Sie sich schon früher damit beschäftigt?

1993 habe ich meinen Magister im Fach Chemie- und Verfahrenstechnik gemacht und 1997 an der Universität Maribor promoviert. Nebenher habe ich 12 Jahre in der Entwicklungsabteilung in der Gummiindustrie in Ptuj gearbeitet, und von 1994 bis 2002 war ich Direktor des wissenschaftlichen Forschungszentrums Bistra in Ptuj. 2002 wurde ich zum Bürgermeister der Stadt Ptuj gewählt. Aber ich bin weiterhin noch acht Stunden wöchentlich in der Forschung tätig. Fünf Jahre lang habe ich mich intensiv mit der Biofermentation von Gülle beschäftigt. Aber irgendwann hat jeder einmal die Nase voll von Gülle. Heute gilt mein Interesse der Biofermentation von Wein. Und dass wir hervorragenden Weißwein haben, davon sollten Sie sich selbst einmal überzeugen.

 

Frederike Abend, Saskia Giese, Yvonne Heibel, Isabell Hoffmann, Madeleine Jockel, Saskia Müller, Jennifer Rieger, Gymnasium Heubach; - Janez Mohork, Blaž Korotaj, Mojca Kvar, Jani Hentak, Aleš Avgustin, Aleksandra, Krajnc, Alen Tement, Gymnasium Ptuj

 

----------------------------------------

 

Text2:

 

Partnerschaften für die Umwelt:

Das Engagement der Wassertechniker der WTE

Projekte in Deutschland, Österreich, Dänemark , Russland, Kroatien, Polen  und Slowenien

 

Im Mai 2004 traten Slowenien und andere osteuropäische Länder der EU bei. Durch den Beitritt gelten für diese Länder nun die europäischen Umweltrichtlinien. Diese Auflagen konnten zunächst nur renommierte Unternehmen mit entsprechendem Know - how erfüllen, wie etwa die deutsche Wassertechnik GmbH (WTE). Die WTE ist ein in der Wasserwirtschaft und Umwelttechnik national und international tätiges Unternehmen mit Hauptsitz in Essen, Nordrhein-Westfalen. Die GmbH gehört zur Aktiengesellschaft EVN, an der das Land Niederösterreich 51%, die EnBW 31% und Kleinaktionäre 16% Anteile halten. Weitere internationale Standorte sind Warschau, Kopenhagen, Moskau, Wien und Zagreb, von wo aus Projekte im Bereich der Abwasserentsorgung und Müllverwertung betreut werden. Im Großraum Moskau etwa werden allein vier Projekte verwirklicht.

 

„Die Eintrittskarte nach Slowenien war unser gelungenes Abwasserkonzept in Kranjska Gora. In diesem weltbekannten Skiort in den slowenischen Alpen wurde lange vor dem EU-Beitritt, schon 1995 erkannt, wie wichtig eine intakte Umwelt für den Tourismus ist“, erinnert sich WTE-Mitarbeiter Günter Faust. Da Kranjska Gora von vielen Touristen besucht wird, musste dringend eine neue Kläranlage gebaut werden. In Slowenien war kein geeigneter Partner zu finden. Nach einer internationalen Ausschreibung erhielt die WTE den Zuschlag, nicht zuletzt aufgrund ihrer großen Erfahrung bei weltweiten Projekten dieser Art. Weitere Aufträge kamen hinzu, zuerst in Laško und wenig später in Bled. Beide Anlagen sind mittlerweile erfolgreich in Betrieb.

Diplomingenieur Günter Faust, der auch das Projekt in Laško leitet, berichtet über diese deutsch-slowenische Zusammenarbeit. Ihren Kunden bietet die WTE drei verschiedene Modelle an. Für die besondere Situation in Laško bot sich das „Betreibermodell“ an, das Planung, Errichtung, Betrieb und Finanzierung aus einer Hand vorsieht. Die Investitionskosten wurden auf rund 11 Mio. Euro veranschlagt, für eine Gemeinde mit knapp 10.000 Einwohnern nicht zu finanzieren. Die sofortige Vorfinanzierung durch die WTE war ausschlaggebend für die Zusammenarbeit mit diesem Anbieter. Die zu investierende Summe stellte die Bank Austria zur Verfügung. Der Kredit ist mit 6,5 Prozent verzinslich und von der WTE nach einer Laufzeit von 25 Jahren zurückzuzahlen. Die WTE wiederum bekommt ihr Geld von der Gemeinde, die durch den Abschluss eines Konzessionsvertrags zur Rückzahlung der gesamten Investitionssumme verpflichtet ist. Die WTE bietet ihre Dienste auch ohne Finanzierungshilfe als sogenanntes Betriebsführungsmodell an.

 

Entscheidend für den weltweiten Erfolg sind vor allem international erfahrene Mitarbeiter. Einer von ihnen ist der 48-jährige Günter Faust. Der in der Präsentation seiner Firma sehr versierte Anlagenbauer  ist  seit 18 Jahren bei der WTE tätig und arbeitet schon seit zwei Jahrzehnten im Ausland, zum Beispiel in Nepal und 18 Monate in Darfur. Nach seiner Ausbildung zum Maurer führte ihn sein weiterer Bildungsweg zum Beruf des Bauingenieurs. Momentan ist der sportlich gekleidete,  begeisterte Skifahrer Projekt-Leiter der Niederlassung in Slowenien. Seine Aufgabe ist es, weitere Projekte in Slowenien an Land zu ziehen, eine Konzeption zu entwickeln und die drei laufenden zu überwachen. Er wohnt seit Jahren in Villach in Kärnten, von wo aus er in einer Viertelstunde in Kranjska Gora ist. „Nach Bled brauche ich 35 Minuten, und nach Laško fahre ich in eineinhalb Stunden über Klagenfurt“, begründet er seine Wohnortwahl. Dass seine damals 10-jährige Tochter der Hauptgrund war, sich in einem deutschsprachigen Land niederzulassen, verschweigt der gebürtige Hesse nicht. Er sieht in der Erweiterung der EU vorrangig die Chance, Umweltstandards in weiteren Ländern zu verankern. Kritisch merkt er an, dass die EU jedoch stärker als bisher auf die Nachhaltigkeit und die Evaluation der durchgeführten Maßnahmen achten sollte.

 

Carina Hübner, Lena Fahrian, Katharina Maier, Markus Sorg, Jana Staudenmaier, Axel Waidmann; Gymnasium Heubach; - Samanta Slana, Mateja Hergula, Sandra Nemec, Eva Reberc, Daša Korpar, Jure Korez; Gymnasium Ptuj

 

------------------------------

 

Text3:

 

Wo man »Goldhorn« braut:

Ein Besuch in der größten Brauerei Sloweniens in Laško

 

Majestätisch throhnt eine aus weißem Gips gegossene Königsstatue am Rand der Brücke, die über den Fluss Savinja führt. Lächelnd begrüßt der Bierkönig Gambrinus Passanten und vorbeifahrende Autofahrer mit erhobenem Bierkelch in Laško.

 

Die Brauerei „Pivovarna Laško“, heute Marktführer in Slowenien, wurde 1825 von Franz Geyer gegründet und befindet sich seit 1938 am jetzigen Platz am linken Ufer der Savinja. Die ehemalige Sommerfrische von Kaiser Franz Joseph I., auf halbem Weg zwischen Ljubljana und Maribor, ist heute aber weniger als beschaulicher Kurort mit Thermalquellen bekannt. Ganz Slowenien verbindet Laško mit dem hier gebrauten Bier „Laško Piv“. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass jedes Jahr viele die Möglichkeit nutzen und sich bei einer Führung durch die Produktionshallen die Kunst des Bierbrauens näher bringen lassen. Andrej Škorja, Lebensmitteltechnologe, der als Produktionsleiter die Bereiche Sudhaus, Keller und Filtration verantwortet, führt auch unsere Besuchergruppe durch die Brauerei.

 

Beim Betreten des Sudhauses, dem Herz jeder Brauerei, fallen dem Besucher zuerst die Kuppen der fünf silberfarben mattierten Sudkessel auf. Es ist überraschend still in dem grün gekachelten Raum. Der kaum wahrnehmbare Malzgeruch lässt den Besucher daran zweifeln, dass hier tatsächlich Bier gebraut wird. Durch die blank geputzten Fliesen und Kessel wirkt das Sudhaus sehr sauber. Mit seinen Blumenkübeln und Hängepflanzen erinnert der Raum eher an ein modernes Großraumbüro. Über der Schaltzentrale des Sudhauses thront ein lebensgroßer, aus Messing gegossener Steinbock. Das Huftier ziert als Logo die Etiketten von  Laško Pivo.

Die zentrale Schaltanlage, das Gehirn der Brauerei, befindet sich im Keller. Hier ist nur ein einziger Mitarbeiter nötig, um Störungen im Brauprozess, den zehn Monitore detailgenau abbilden, beherrschen zu können. Eine weitere Schaltzentrale befindet sich in der etwa hundert Meter langen Betriebshalle, in der die Flaschen gereinigt, befüllt und etikettiert werden. Beim Betreten dieser Halle schlägt dem Besucher der Geruch von Hopfen und Malz entgegen. Der Lärm der laufenden Maschinen geht im ohrenbetäubenden Geklirr der aneinanderstoßenden Bierflaschen unter. Als Kontrast zum Sudhaus herrscht hier reges Treiben. Fließbänder schlängeln sich durch die Halle. Sie transportieren die Flaschen vollautomatisch zwischen den einzelnen Stationen. Nur wenig Personal ist in den Produktionshallen zu sehen. Die Hallen sind im Sommer mit einer Tagesproduktion von bis zu 2 Millionen Bierflaschen pro Tag völlig ausgelastet. Im Winter wird nur eine der zwei Produktionsstraßen betrieben, mit einem Tagesausstoß von 600.000 Flaschen. Der Kasten „Zlatorog“ (Goldhorn) kostet im Geschäft respektable 14 Euro.

 

Anders als viele Unternehmen kommt die Brauerei Laško ohne ausländisches Kapital aus und widersetzt sich bisher erfolgreich Übernahmeversuchen aus Belgien. Im Gegenteil, man geht selbst auf Einkaufstour und ist nach dem Erwerb der Union - Brauerei Ljubljana nunmehr größte Brauerei Sloweniens, vergleichbar etwa mit Spatenbräu München oder Paulaner.

Um ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen, betreibt die Brauerei seit einigen Jahren intensives Sponsoring. So trägt u.a. der Champions League-Sieger im Hallenhandball von 2004 den Namen „Pivovarna Laško Celje“.  Für Matej Oset ist das noch nicht genug, denn auch die besten Ruderer des Landes werden gefördert, wie auch die Handballnationalmannschaft. Der technische Direktor von Laško Pivo versichert: „Wir wollen das Unsere dazu beitragen, dass Slowenien bei der nächsten Handballweltmeisterschaft nicht wieder im Achtelfinale ausscheidet“.

 

Angelina Bühr, Denis Drendel, Klara Galuschka, Ann-Kathrin Glenz, Melanie Krieger, Lisa Moser, Gymnasium Heubach; - Dora Lenart, Eva Koren, Tanisa Bedenik, Mateja Cartl, Martina Turk, Aleksandra Mesarič; Gymnasium Ptuj

 

 

--------------------------------------

 

 

 

Text4:

 

»Bier - Abwasser - Biogas«

Die Anlage zur Reinigung von Industrieabwasser in Laško

 

Die Akustik in dem Tank ist überwältigend. Bevor er gefüllt wurde, stand ich da drin und sang La Montanara. Günter Faust, Projektleiter der WTE in Slowenien, steht vor dem 20 Meter hohen Tank, in den das Abwasser der Pivovarna Laško, der größten Brauerei Sloweniens eingeleitet wird. Der Tank fasst das Dreifache der täglich anfallenden Menge.

Das organisch verschmutzte Wasser wird über 4km lange Rohrleitungen von der Brauerei zur Kläranlage gepumpt. Diese liegt direkt an der Bahnlinie Maribor – Zagreb und der Savinja, die ihr Wasser über Sava und Donau ins Schwarze Meer führt. Der auffällige Baukörper der Anlage wirkt fremd in der ländlich geprägten Hügellandschaft.

 

Die Gemeinde Laško mit ihren 9.000 Einwohnern stand vor einem großen Problem: Die Brauerei stellt über eine Million Hektoliter Bier jährlich her. Dabei entsteht die fünffache Menge Abwasser, das obendrein stark organisch verschmutzt ist. Die Schmutzfracht entspricht dem Aufkommen von 110.000 Einwohnern. Eine kommunale Kläranlage dieser Größenordnung hätte enorme Ausmasse und würde hohe Kosten verursachen. Deshalb entschloss man sich zur Vorreinigung des Brauereiabwassers. So wird die organische Fracht zu 80% abgebaut. Dabei entsteht gut verwertbares Biogas und fast kein Klärschlamm. Die entsprechende Anlage verursachte Kosten in Höhe von 4,6 Mio Euro, die von Pivovarna Laško getragen wurden. Sie investierten gerne diese Summe, da für sie seit dem EU-Beitritt Sloweniens strengere Richtlinien gelten.

 

Die organischen Stoffe im Abwasser werden unter Sauerstoffabschluss in einem Reaktor bakteriell zersetzt. Dabei fallen täglich 1800 Kubikmeter Biogas an, das aus zwei Dritteln Methan und einem Drittel Kohlenstoffdioxid besteht. 30% des Biogases werden in der Anlage selbst verbrannt – damit wird das Abwasser im Konditionierungsbehälter auf 33 bis 37 Grad aufgeheizt, der Wohlfühltemperatur für die Bakterien – der Rest dient zur Energieerzeugung in der Brauerei.  So lässt sich jährlich ein Betrag von 200.000 Euro einsparen. Bei einem Defekt in der Anlage oder wenn ein Überschuss an Biogas entsteht, wird dieses über eine sogenannte Notfackel abgebrannt. Im Sommer schauen sich Spaziergänger gerne die zwei Meter hohe Flamme an. Das sieht imposant aus, besonders bei Nacht! kommt Günter Faust ins Schwärmen.

Das vorgereinigte Wasser wird in die kommunale Anlage eingespeist und weist etwa den gleichen Verschmutzungsgrad auf, wie die häuslichen Abwässer. Insgesamt stammen drei Viertel des im kommunalen Teil der Anlage geklärten Wassers aus der Brauerei.

 

Der Komplex ist vollständig computergesteuert. Bei Störungen wird automatisch eine SMS an einen der zwei fest angestellten Mitarbeitern geschickt. Gegenüber den riesigen Tanks wirken die Leitzentrale und das Betriebsgebäude winzig. Hier befinden sich u.a. Vorratstanks mit Säuren und Laugen. Sie sind nötig, um für die Bakterien den optimalen pH – Wert einzustellen. Für Notfälle steht eine auffällig gelbe Dusche zur Verfügung.    

 

Die gesamte Anlage wurde von der Firma WTE Wasserbau GmbH schlüsselfertig erstellt. Dabei war ein kurios anmutendes logistisches Problem zu lösen, denn die teilweise riesigen Bauteile mussten durch eine viel zu enge Bahnunterführung transportiert werden. Bei Erstellung der Anlage im Jahr 2003 hatten die Ingenieure insbesondere die Beschaffenheit des Erdreiches und die hügelige Geländestruktur in ihre Planungen mit einzubeziehen. Wegen der Rutschgefährdung des Erdreichs wurde zur Abstützung hangseitig eine 500.000 Euro teure Betonmauer errichtet. Man hat vorgesorgt: Ich bin gelernter Maurer, die Mauer sieht zwar scheiße aus, hält aber ewig, sagt Günter Faust abschließend.

 

Ali Bisceglia, Lukas Dittenhauser, Raphael Jäger, Jan-Eric Malterer, Haris Sisic, Anja Waidmann; Gymnasium Heubach; - Gregor Bočič, Aljoša Slameršak, Gregor Vidovič, Klaudija Vegmaher, Hana Jurič, Mateja Golob; Gymnasium Ptuj

 

--------------------------------------------

 

 

Text5:

 

Private Public Partnership:

Die kommunale Kläranlage in Laško

 

„Bier, Blumen und eine saubere Umwelt“, so wirbt der Wirtschaftsdezernent und Leiter der Abwasserbehörde, Luka Picej für seine 9.000 Einwohner zählende Stadt Laško. Sie liegt 10 Kilometer entfernt von Celje im südöstlichen Slowenien am Fluss Savinja. Laško ist in Slowenien berühmt für sein gutes Bier. Um jedoch auch als umweltfreundliche Kommune bekannt zu werden, war es dringend nötig, eine Abwasserkläranlage zu bauen. Günter Faust, Projektleiter für die zu erstellende Anlage und begeisterter Wildwasserfahrer: „Auf der Savinja wäre ich früher mit meinem Kajak nie und nimmer gepaddelt.“ Denn bis zur Inbetriebnahme der Kläranlage wurde das gesamte Abwasser der Kommune sowie das Abwasser von Sloweniens heute größter Brauerei „Pivovarna Laško“ ungereinigt in die Savinja geleitet. „Nach Hochwasser hing hier das Klopapier in den Bäumen“, beschreibt Luka Picej schmunzelnd die Vergangenheit.

 

Schon vier Jahre vor dem EU-Beitritt des Landes bestand für die Gemeinde die Notwendigkeit, diesen unhaltbaren Zuständen ein Ende zu bereiten. EU-Fördermittel waren damals nicht zu erwarten. Da die nötigen finanziellen Mittel von der Kommune nicht aufzubringen waren, wurde nach Partnern Ausschau gehalten. Die Gemeinde Laško entschied sich für eine öffentliche Ausschreibung, die die Reinigung des Brauereiabwassers mit einschloss. Für die Brauerei war eine umweltfreundliche Lösung unabdingbar, drohte doch sonst eine existenzbedrohende EU-Strafsteuer. „Ohne gemeinsame wirtschaftliche Kläranlage mit der Gemeinde hätten wir uns nach einem anderen Standort umsehen müssen“, so Matej Oset, technischer Direktor der Brauerei.

Aufgrund guter Referenzen erhält die Wassertechnik Essen GmbH (WTE) als Generalunternehmer den Zuschlag für den Bau und Betrieb der Kläranlage Laško. Der zwischen WTE, Gemeinde Laško und Brauerei geschlossene Konzessionsvertrag ist ein Beispiel für eine „Public Privat Partnership“, einer vertraglichen Kooperation zwischen Privatunternehmen und Kommune. In dem Vertrag tritt die Gemeinde Teile ihrer Aufgaben an ein Privatunternehmen ab, bleibt aber gegenüber den Bürgern hoheitsrechtlich in der Verantwortung. Der Abwasserpreis muss die tatsächlichen Kosten der Abwasserableitung, Klärung und Finanzierung decken. Nach Ablauf des Konzessionsvertrages ist die Investition durch die Gemeinde abbezahlt und geht kostenfrei in die Verantwortung der Kommune über. Günter Faust: „Die Risiken für den Privatunternehmer sind höher als für die Gemeinden.“ Der Vertrag wurde im Fall Laško im Jahr 2001 unterzeichnet, die Baugenehmigung erging 2003, im gleichen Jahr wurde mit dem Bau begonnen. Schließlich konnte im September 2006 die Anlage eingeweiht werden. Der Kostenanteil der Gemeinde, der in den nächsten 25 Jahren durch Beiträge und Abwassergebühren aufzubringen ist, beläuft sich auf rund 11 Millionen Euro. In den Brauereianteil wurden 4,6 Millionen Euro investiert, ein Betrag, den die Brauerei selbst finanzierte.

„Der geeignete Standort war gar nicht so leicht zu finden, da die Topographie durch die hügelige Umgebung sehr ungünstig für eine solche Anlage ist“, erläutert Michael Buchta, Bauleiter der WTE. Das vierzehn Kilometer lange alte Kanalnetz wird im Laufe der Jahre noch um 39 Kilometer erweitert. So kann schließlich das gesamte häusliche Abwasser   zentral gesammelt und dann zur höher gelegenen Kläranlage gepumpt werden.

 

Von Laško aus erreicht man diese nach fünfminütiger Fahrt über eine kurvenreiche, schmale Straße. Bei der Ankunft fallen sofort die beiden runden Kombibecken und der turmhohe Abwassersammelbehälter auf. Ganze zwei fest angestellte Mitarbeiter überwachen die computergesteuerte, zweiteilige Kläranlage. Das Brauereiabwasser wird vorgeklärt und dann zusammen mit dem Abwasser der Gemeinde Laško in der kommunalen Anlage gereinigt. Dieser Teil der Kläranlage unterscheidet sich kaum vom Standard deutscher Anlagen. Ein Rechen hält grobe Partikel zurück. „Man sieht, was die Leute so alles ins Klo spülen“, bemerkt Michael Buchta kopfschüttelnd. „Damenbinden und Kondome gehören eigentlich nicht hinein.“ Über ein Verteilerbauwerk gelangt das Abwasser ins Kombibecken, in dem das von einem Rührwerk bewegte Abwasser durch Bakterien und mit Hilfe von Sauerstoff, also  biologisch und aerob, geklärt wird. Der dabei anfallende Klärschlamm wird zur Volumenverringerung zentrifugiert, so von einem Teil des Wassers befreit. Im Unterschied dazu entsteht bei der Vorbehandlung des Brauabwassers kaum Klärschlamm und die Bakterien arbeiten anaerob, also im sauerstofffreien Milieu.

 

Für die Bürger von Laško bedeutet der Bau der Kläranlage, dass sie künftig durch einen Einmalbetrag von rund 300 Euro und eine jährliche Abwassergebühr von 235 Euro belastet werden. „Für viele Bürger ein großes Problem, wenn man bisher nichts bezahlt hat und jetzt 1,35 Euro pro Kubikmeter entrichten muss für etwas, wovon man scheinbar nichts hat.“ Für Günter Faust ist es eine vordringliche Aufgabe der Politik, den Bürgern zu vermitteln, dass sie zwar nicht sofort den Nutzen sehen können, auf Dauer aber davon profitieren werden.

 

Luka Picej scheint vom Erfolg der Maßnahme überzeugt zu sein. Trotz einzelner Probleme, die eine Zusammenarbeit unvermeidlich mit sich bringt, empfiehlt er das Laškoer Modell für andere Kommunen. „Public Privat Parternship hat sich in Laško bewährt und wird auch in der Zukunft eine Möglichkeit zur Realisierung von großen kommunalen Projekten sein.“

 

Markus Brenner, Jakob Dittbrenner, Julien Dittbrenner, Valentin Ehmann, Elian Keller, Johannes Lieb, Gymnasium Heubach; - Peter Kokot, David Pignar, Miha Kosi Fuks, Marko Tement, Dejan Kamenšek, Miha Lešnik; Gymnasium Ptuj

 

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Fotos:

(Gerald Hühner)

 

1. Recherche in Ptuj/Interview mit Bürgermeister Dr. Štefan Čelan, 06.02.2007:

 

Foto 1:                                                                                             

 

Vortrag von Dr. Štefan Čelan: Umweltschutzkonzept/Klärwerk-Projekt in Ptuj

 

Foto 2:

Vortrag von Dr. Štefan Čelan: Umweltschutzkonzept/Klärwerk-Projekt in Ptuj

 

Foto 3:

Dr. Štefan Čelan im Gespräch zum Umweltschutzkonzept/Klärwerk-Projekt in Ptuj

 

 

2. Recherche in der Brauerei Pivovarna Laško, 07.02.2007:

 

Foto 4:

Im Sudhaus der Brauerei Laško: Sudkessel in der großen hellen Halle und das Markenzeichen der Brauerei, „Zlatorog“,  („Goldhorn“), ein Steinbock (Figur aus der slowenischen Sagenwelt)

 

Foto 5:

s. Nr.4; Foto aus anderer Perspektive

 

Foto 6:

Erläuterungen für die Schülergruppe vor einer Computer-gesteuerten Zentrale; in den Scheiben spiegeln sich die Sudkessel

 

Foto 7:

In den Produktionshallen sind kaum Mitarbeiter zu sehen, der Produktionsablauf erfolgt weitgehend über Computersteuerung.

 

Foto 8:

Ein Blick in die Abfüllungshalle

 

Foto 9:

Schülerinterview mit Matej Oset, Technischer Direktor bei Pivovarna Laško:

1. Im Hof der Brauerei

 

 

Foto 9a:

Schülerinterview mit Matej Oset, Technischer Direktor bei Pivovarna Laško:

2. In der Kantine der Brauerei, in der die deutsch-slowenische Schülergruppe zu Mittag isst.

 

 

3. Recherchen in der zentralen Kläranlage in Laško (für Brauerei und Gemeinde):

 

Foto 10:

Blick über eines der Klärbecken der Anlage für kommunales Abwasser in der sanften Hügellandschaft der Region, hinter der Kläranlage: Deponie

 

Foto 11a:

Klärbecken im Vordergrund (für kommunales Abwasser), Schülergruppe vor Misch- und Ausgleichsbecken für Industrieabwasser (hoher, runder Behälter) im Hintergrund rechts.

 

 

Foto 12:

Teile der Kläranlage für die Industrieabwasser der Brauerei Laško; von links: Gasbehälter (kleiner Zylinder), Misch- und Ausgleichsbecken (hinter der Schülergruppe), Konditionierungsbehälter, Teil des Reaktors); der Unterschied in technischer Hinsicht und im Größenverhältnis zur Anlage für kommunales Abwasser wird deutlich

 

 

Foto 13:

Die Schülerjournalisten vor einem der Klärbecken  (kommunales Abwasser), im Hintergrund (rechts) das Misch- und Ausgleichsbecken zur Reinigung des Industrieabwassers

 

Foto 14:

s. Nr. 13; Foto aus anderer Perspektive

 

Foto 15:

s. Nr. 13; Foto aus anderer Perspektive

 

Foto 16:

Man sieht aufsteigende Blasen im Klärbecken

 

Foto 17:

Die Schülergruppe vor dem Gasbehälter (Mitte) und der Gasfackel (Notgasfackel für Biogas, ganz links)

 

Foto 18:

Ein Blick ins Labor der Kläranlage: Kommunales Abwasser und gereinigtes Wasser (in der Mitte in den länglichen Gläsern); Industrieabwasser (ganz links) und in verschiedenen Klärungsstufen (in den V-förmigen Gläsern)

 

Foto 19:

Industrieabwasser: Geruchsprobe und optischer Vergleich, in der Mitte: Günter Faust, WTE

 

Foto 20:

Eine Probe kommunalen Abwassers (Glas rechts – Gruchsprobe!) und in der geklärten Form (Glas links)

 

 

Foto 21:

 

Foto 22:

21/22: Im Büro der Kläranlage Laško: Günter Faust (auf dem Stuhl sitzend) gibt einen Einblick in die Arbeit der WTE-Kläranlage

 

(Fotos: Gerald Hühner)

 

Weitere Fotos zur Ansicht/Auswahl im Internet:

Brauerei Laško: www.dasan.de/gimptuj/aw1.htm

Zentrale Kläranlage Laško:  www.dasan.de/gimptuj/aw2.htm