„Umwelt-baut-Brücken“ – „Okolje gradi mostove“

Projekt der Schulen aus Ptuj/Slowenien und Heubach/Deutschland

Programm in Ptuj/Pivola/Meranovo zum Thema „Ökologischer Weinbau in Slowenien“

(26. September 2007)

 

6 Texte

und integriert

Fotos zur Auswahl für DELO und FAZ

(Die von den Redaktionen ausgewählten Fotos werden in der Auflösung 1MB zugesandt.)

 

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Text 1:

 

Bauern, Bio, Bavec

Ökologische Landwirtschaft in Slowenien

 

 

„In den letzten fünf Jahren hat sich der Biolandbau in Slowenien verdoppelt”, berichtet Prof. Martina Bavec. Die Spezialistin für Bioland-, Acker- und Gemüseanbau arbeitet seit mehreren Jahren an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Maribor.           1995, knapp 10 Jahre vor dem EU-Beitritt Sloweniens, gibt die Landwirtschaftliche Fakultät den Anstoß, den Biolandbau im Lande einzuführen. Martina Bavec ist Gründerin und Leiterin der ersten Kontrollstelle Sloweniens. Sie übernimmt dabei Know-how und Standards der ABG (Austria Bio Garantie). Heute schwören fast 2.000 Betriebe auf die ökologische Landwirtschaft. Damit werden 6% der landwirtschaftlichen Flächen nach ökologischen Prinzipien genutzt.

Martina Bavec erzählt von den anfänglichen Schwierigkeiten. Die grundlegende Frage war :„Wie können wir unsere Landwirte informieren bzw. für eine Umstellung gewinnen?” Die Aussicht auf höhere EU-Fördermittel bei Umstellung auf ökologische Anbauweisen – Verzicht auf synthetisch-chemischen Pflanzenschutz und ebensolche Düngemittel – bot den entscheidenden Anreiz. Bavec: „Kein Wunder, dass dann der EU-Beitritt Sloweniens im Mai 2004 den Durchbruch brachte”. Die engagierte Argrarprofessorin bedauert, dass derzeit auf die 2.000 Betriebe nur zwei Berater kommen: „Wir könnten noch viel mehr Bauern für den alternativen Landbau begeistern, wenn wir mehr Berater hätten”. Trotzdem hat sich die Landwirtschaftsbehörde ein hohes Ziel gesetzt. Bis 2015 soll der Anteil der ökologischen Landwirtschaft an der landwirtschaftlichen Nutzfläche von 6 auf 20 Prozent steigen. Man baut darauf, dass sich immer mehr Kindergärten, Krankenhäuser und Hotels für Bionahrungsmittel interessieren. Außerdem soll bis dahin ein Zehntel des Warenangebots in den Supermärkten aus Bioprodukten bestehen - ein ehrgeiziges Ziel, denn derzeit sind es erst zwei Prozent.

Inzwischen ist die Nachfrage nach Bioprodukten größer als das Angebot. Bei einigen Spezies muss schon die Hälfte aus Österreich oder Deutschland eingeführt werden. Dies verdeutlicht Bavec am Beispiel eines Biokäseaufstrichs aus Deutschland. Das Produkt wird in Deutschland hergestellt, kontrolliert und erhält dann das EU-Gütesiegel.

Den Export hingegen versucht man gering zu halten. Anders als andere neue EU-Länder wie Polen und Ungarn produziert Slowenien vorwiegend für den Eigenbedarf, auch deshalb, weil immer mehr Touristen zu versorgen sind. Nur Äpfel – größtenteils die beliebte Züchtung Topas – und Eier werden nach Österreich und in die Schweiz exportiert.

Manche Bioprodukte müssen konventionell verkauft werden, weil sich die hohen Vermarktungskosten bei den geringen Mengen nicht lohnen. Auch deswegen sind Bioprodukte teurer als konventionelle Produkte: Bioäpfel kosten doppelt so viel wie konventionelle Äpfel. Dagegen zahlt man für Biorindfleisch nur 10-15% mehr als für konventionelles, ganz einfach deshalb, weil die Umstellung auf ökologische Produktionsmethoden für Viehzüchter einfacher ist als für Obstbauern.

Noch fehlen Netzwerke und Organisationen zur Vermarktung von Bioprodukten. „Ein Kilo Dinkelmehl kostet im Laden 4 Euro. Kaufen Sie jedoch das gleiche Dinkelmehl auf einem Bauernmarkt, zahlen Sie 2 Euro.” Zwei Euro sind aber immer noch viel Geld. Das findet auch Martina Bavec. Bioprodukte werden immer noch fast ausschließlich auf Biobauernmärkten oder in Hofläden verkauft. Gäbe es eine bessere Organisation der Vermarktung, wären die Produkte billiger und würden mehr konsumiert”, prognostiziert die Professorin.

Bis es jedoch so weit ist, muss noch mehr auf die ökologische Landwirtschaft aufmerksam gemacht werden. Denn trotz aller Bemühungen findet diese Alternative zum Mainstream noch zu wenig Beachtung. Sicherlich verstärkt das Engagement der Wissenschaftler der Universität Maribor die Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten.

 

Ruth Sachsenmaier, Josephine Meyer, Michaela Funk, Jasmin Rieg, Sandra Roccuzzo, Anna-Lisa Zweig, Rosenstein-Gymnasium Heubach

 

Staša Simonič, Kaja Jakolič, Kaja Kostanjevec, Urška Škrjanec, Annamarija Mesnarič, Ajda Goznik; Gymnasium Ptuj               

 

 

Foto 1:

Die Arbeitsgruppe vor der lanwirtschaftlichen Fakultät der Universität Maribor in Pivola

 

 

Foto 2:

Prof. Martina Bavec referiert im Garten der Fakultät engagiert und....

 

Foto 3:

... und auch im Hörsaal anschaulich und motivierend  (Fotos: Gerald Hühner)

 

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Text 2:

 

Römer, Throne, Reben

Weinbau in Slowenien

 

»Wir hier in Slowenien trinken einfach zu viel Wein«, bemerkt Dr. Stefan Čelan, der Bürgermeister von Ptuj. Nur etwas über fünf Prozent der gesamten Ernte geht ins Ausland. Aber was die Grenzen des Zweimillionenlandes verlässt, sind erlesene Spitzenweine. „Sie finden sich am Hofe des japanischen Kaisers und im englischen Königshaus”, betont der ehemalige Hobbywinzer Čelan. Die Kunst des Weinbaus in Slowenien geht bis auf römische Zeiten zurück.

Gerade einmal ein halbes Prozent der EU-Anbaufläche sind die 17.000 Hektar, auf denen in Slowenien Wein wächst. Aber darauf werden nur Qualitätsweine, keine Tafelweine angebaut. Diese Qualität zu sichern und ständig zu verbessern, ist Aufgabe des Weinguts Meranovo, einer Außenstelle der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Maribor.

Vor dem Verwaltungsgebäude wacht die überlebensgroße Holzstatue von Erzherzog Johann über das Gut. Der Enkel von Maria Theresia erwarb das Weingut im Jahre 1822. Mit dem Namen Meranovo – Neu Meran – wollte er an das von ihm geliebte Südtirol erinnern. Meranovo ist ähnlich steil wie die nicht weit entfernte FIS-Weltcupstrecke Maribor an einem Ausläufer der Südalpen. Mit dem Kauf des Weingutes wurden die alten Rebsorten ersetzt durch die auch heute noch beliebten Weinsorten wie Sauvignon, Riesling, Traminer, Sylvaner und Blauer Spätburgunder (Pinot noir).

Zehn Jahre später gründete Johann eine Winzerschule, 1872 wurde sie zur Steiermarkischen Landes-, Obst- und Weinbauschule erweitert. Ein Gedenkstein über dem Hauseingang kündet von der einstigen Bedeutung in der ehemaligen k. und k. – Monarchie: „Als am 16.Juni 1890 Kaiser Franz J., mein Kaiser und Herr ... dieses mein Haus mit allerhöchst Ihrer Gegenwart beglückte, die gesegneten Weinberge der getreuen Steiermark überschauend, habe ich, Johann, Erzherzog von Österreich, diesen Stein zum ewigen Angedenken gesetzt”.

Fünf Jahre nach der Unabhängigkeit Sloweniens wird die Weinbauschule Sitz des Weinbaufachbereichs der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Maribor. Forschungsschwerpunkt ist die Prüfung neuer Weinsorten, insbesondere solcher, die gegen Pilz- und Reblausbefall resistent sind. Davon profitieren auch die 27.000 slowenischen Weinbauern, von denen neun Zehntel weniger als 1 Hektar Fläche bewirtschaften. Manche Lagen sind so steil, dass ihre Bewirtschaftung nur durch Terrassierung möglich wird. Neun Zehntel der Weinbaufläche ist begrünt. Der Grasbewuchs senkt die Bodenabtragung von durchschnittlich 9.000 auf 100 Kilogramm pro Hektar.

Meranovo liegt in Podravje, dem größten der drei Weinanbaugebiete, links und rechts der Drava (Drau). Hier, wie auch in Posavje (an der Sava) und  Primorska (im Karstgebiet am Mittelmeer) wird fast ausschließlich Weißwein produziert. Ein Sechstel entfällt auf die Sorte Laški Rizling (Welschriesling). Weitere fünfzehn Sorten haben einen Marktanteil von über einem Prozent, darunter Sauvignon, Chardonnay, Riesling, Ruländer, Sylvaner und Müller Thurgau.

 

Benjamin Ulmer, Jonas Bohner, Jonas Hägele, Lukas Klotzbücher, Philipp Unfried, Tobias Hieber, Rosenstein-Gymnasium Heubach 

 

Tomaž Rojko, Vid Izlakar, Jernej Bratuša, Timotej Pepelnik, Blaž Slanič, Uroš Jazbec, Gymnasium Ptuj

 

Foto 4:

Historische Postkarte des Weinguts Meranovo (Foto: Universität Maribor)

 

 

Foto 5:

Schüler in den Steillagen des Weinguts Meranovo über Maribor (Hintergrund) und mit einem Wahrzeichen der Region Stajerska: „Klapotetz“ (so die deutsch-sprachige Bezeichnung); (Foto: Gerald Hühner)

 

Foto 6:

Die Arbeitsgruppen aus Ptuj und Heubach vor dem Standbild des Erzherzogs Johann in Meranovo (Foto: Gerald Hühner)

 

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Text 3:

 

Zwischen Ökologie und Ökonomie - Integrierter Weinbau

 

Kenner schätzen den guten Geschmack von Wein. Auch seine umweltverträgliche Herstellung wird ihnen immer wichtiger. Um diesem Wunsch nachzukommen, haben die Winzer in den letzten Jahren eine neue Weinbaumethode entwickelt.

Ökologischen Prinzipien streng gerecht zu werden, ist bei der Grünlandwirtschaft einfach, im Ackerbau schon schwieriger, beim Weinbau nahezu unmöglich. Deshalb hat sich auch in Slowenien der integrierte Anbau als gangbarer Weg erwiesen - ein Kompromiss aus konventioneller und ökologischer Bewirtschaftung, aus Ökonomie und Ökologie, oder wie es Janez Valdhuber, Agrarwissenschaftler an der Fakultät für Landwirtschaft der Universität Maribor, formuliert: „Qualität vor Quantität, sowohl bei den Methoden wie beim Ergebnis“

Die integrierte Anbaumethode setzt auf Ertragssicherung, ist aber ähnlich umweltverträglich wie die ökologische, da sie nur begrenzt Pestizide zulässt. Im integrierten Weinbau ist die Häufigkeit der Anwendungen sowie das Angebot an Pflanzenschutz- und Düngemittel begrenzt. Jedes Jahr kommen mehr Mittel auf die Rote Liste, um neuen, umweltfreundlicheren Platz zu machen. Der Winzer muss jederzeit mit Kontrollen rechnen und nachweisen können, welche Pflanzenschutz- und Düngemittel er wann, wo und wie oft eingesetzt hat. Das Zertifikat für „Wein aus integriert produzierten Trauben“ erhält er, wenn er weitere Vorgaben erfüllt. So darf er jährlich je Hektar maximal 50 Kilogramm Stickstoff ausbringen, denn leicht lösliche Düngesalze belasten das Grundwasser. Im fünfjährigen Turnus vorgenommene Bodenanalysen geben die zulässige Düngemittelmenge vor.

Die Vorschriften erlauben pro laufendem Meter Rebbestand höchstens zwanzig Triebe. Einziges Zugeständnis an den Winzer ist, dass er den Grünbewuchs mit Herbiziden niederhalten darf. Wer das Zertifikat für integrierten Anbau erhalten will, verpflichtet sich, seine Maschinen und Lagerräume in kürzeren Abständen kontrollieren zu lassen. Außerdem werden seine Trauben jährlich in einem Labor auf Schadstoffe untersucht.

Der integrierte Weinbau in Slowenien beansprucht bereits knapp die Hälfte der 170 Quadratkilometer großen Rebfläche. Durch die EU-Subvention ist zu erwarten, dass in den nächsten Jahren integrierter und ökologischer Weinbau den konventionellen nach und nach verdrängen werden.

 

Sylvia Tschigg, Selin Cicigül, Julia Abele, Janine Ostertag, Teresa Mazzarella, Carolin Waldenmaier, Rosenstein-Gymnasium Heubach

 

Glorija Trančar, Anita Medved, Monika Šinjur, Mateja Bratuša, Helena Ivančič, Klara Majcen; Gymnasium Ptuj

 

              

Foto 7:

So sollten die Trauben sein! Schüler aus Heubach (links) und Ptuj recherchieren in Meranovo (Foto: Gerald Hühner)

 

 

Foto 7a:

Das Ergebnis der Mühen: Wein aus Meranovo (Foto: Vid Izlakar)

 

 

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Text 4:

 

In der Traubenmühle

Kurzer Blick in die Praxis des Weinbaus

 

Drinnen dröhnt die Maischepresse, während draußen ein rumänischer Gastarbeiter kaum weniger ohrenbetäubend rote Plastikwannen ausspritzt. Vierzig rumänische Erntehelfer sind bereits seit zwölfTagen auf dem Meranovo-Weingut, dieses Jahr drei Wochen früher als gewöhnlich. Schon bei der Anfahrt fallen sie auf: Die farbenfroh gekleideten Männer und Frauen heben sich kontrastreich ab vom grünen Steilhang mit den Weinreben. Seit Mitte September lesen sie täglich 15 Tonnen Trauben, die in großen Wannen auf einem roten Goldoni-Traktor zur Presse gefahren werden.

Bereits zwei Stunden nach der Lese werden die Trauben verarbeitet. Denn bei einer spätsommerlichen Temperatur von 23 Grad setzt schnell die Gärung ein. Der Rebler befreit die Trauben von den Stängeln. Die gewonnene Maische fließt in die 4.000 Liter fassende Presse. In großen Tanks setzt sich dann aus der Maische das Sediment ab, bevor der Most durch Kieselgurfilter von den Schwebstoffen  befreit wird. Nach der Vergärung sind aus einem Kilogramm Trauben drei Viertel Liter wohlschmeckender Renski Rizling (Rheinischer Riesling) oder Sauvignon geworden.

Borut Pulko, Doktorand an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Maribor, erklärt die Traubenverarbeitung jedoch lieber anschaulich. Stolz zeigt er auf zwei rote Plastikbottiche, in denen Blauer Spätburgunder seine charakteristische Farbe erhält: „Die dunkelblau-rote Maische muss Tag und Nacht jede halbe Stunde von Hand umgerührt werden”. So verteilen sich die festen Bestandteile der Maische, die durch das entstehende Kohlendioxid  nach oben treiben,  wieder gleichmäßig.

„Die in der Maische enthaltene Haut wird zunächst nicht herausgefiltert, da sie für die Farbgebung des Rotweins wichtig ist. Man kann aus roten Trauben auch Weißwein herstellen, wenn man die Beerenhaut gleich zu Beginn entfernt”, erklärt Pulko. Eine maschinelle Verarbeitung, die eine große Erleichterung bedeuten würde, lohnt sich bei der geringen Menge Spätburgunder nicht.

Voller Genugtuung weist Borut Pulko abschließend darauf hin, dass die laufenden Kosten des Forschungsweinguts Meranovo zu 80 Prozent durch den Verkauf von eigenem Wein gedeckt werden.

 

Anne Buchsteiner, Corinna Lang, Jonas Müller, Johannes Müller, Stefanie Drochner, Rosenstein-Gymnasium Heubach

 

Petra Hebar, Petra Filipič, Vesna Rojko, Jana Verbančič, Barbara Belšak, Gymnasium Ptuj   

 

Foto 8:

Vor dem Kelterhaus in Meranovo: Ein Berg von Traubenstielen (Foto: Gerald Hühner)

 

Foto 9:

Im Kelterhaus in Meranovo (Foto: Gerald Hühner)

 

Foto 10:

Hier arbeiten Schüler und der Blaue Spätburgunder (Foto: Vid Izlakar)

 

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Text 5:

 

Borut Pulko und die süße 7116

Agrarwissenschaftler der Uni Maribor für ökologischen Weinbau

 

„Welche Traube ist Eurer Meinung nach die süßeste?“ Borut Pulko, Agrarwissenschaftler an der Universität Maribor schmunzelt und 58 deutsche und slowenische Schüler sind gespannt auf die Antwort. Vor ihnen liegen auf Silbertabletts zwanzig verschiedene Traubensorten, die das Weingut Meranovo zu Versuchszwecken anbaut.

Die eher unscheinbare „7116“ ist bei den meisten Schülern der Favorit und nicht, wie vor der Verkostung vermutet, die Sauvignon-, Merlot-, Dornfelder- oder Rieslingtraube. „7116“, diese noch namenlose, neu entwickelte Kreuzung, ist der Stolz der Forschungsabteilung des Weinguts. Nicht allein ihrer Süße wegen, sondern vor allem aufgrund ihrer Pilzresistenz. Ihre Widerstandsfähigkeit gegen Parasiten könnte den ökologischen Weinbau voranbringen.

Was Schädlinge anrichten können, zeigt die Reblauskatastrophe im 19. Jahrhundert. Der aus Amerika eingeschleppte Parasit vernichtet in Europa fast die gesamten Rebenbestände.

Der ökologische Weinbau verbietet den Einsatz aller chemisch-synthetischen Pflanzenschutz- und Düngemittel. Von den verbleibenden Düngern sind nur die schwerlöslichen zugelassen. Auch genetisch manipulierte Organismen (GMO) sind laut EU-Vorschriften tabu. Daher kommt der Qualität der Rebe höchste Bedeutung zu. Ein möglichst naturverträglicher Anbau und ein unbelasteter Wein, frei von Pestiziden und Herbiziden, ist Ziel des ökologischen Weinbaus.

Noch finden gelöste Kupfersalze, da natürlich vorkommend, im Pflanzenschutz Verwendung. Sie sind jedoch umstritten, da die giftigen Schwermetallsalze an den Trauben haften bleiben und sich im Lauf der Zeit im Boden anreichern. Hier eröffnet sich den Agrarwissenschaftlern ein weites Forschungsfeld. Zum ökologischen Weinbau gehört auch, dass Bioabfälle in den Kreislauf zurückgeführt werden. Nach dem Abbeeren und der Pressung landen die Überreste als Dünger im Weinberg.

Im Ausbau sind natürliche Stoffe wie Weinstein, Gelatine und andere Eiweißstoffe, Kohle, Schwefel, selektionierte Hefen und Bakterien zugelassen. Traubensaft und Rübenzucker aus ökologischem Anbau dürfen zur Erzielung des gewünschten Alkoholgehalts und der Restsüße zugesetzt werden. Auch bei der Verpackung achtet man auf den ökologischen Aspekt. Kein PVC oder Styropor, und auch Kronkorken-Verschlüsse verboten.

Eine internationale und zwei slowenisch akkreditierte Kontrollorganisationen überwachen die Einhaltung der Vorschriften. Erst nach drei Jahren mit zufriedenstellenden Ergebnissen erhält der Wein das europäische Gütesiegel, das ihn als ökologisch produziert kennzeichnet.

Der ökologische Weinanbau umfasst weniger als 1 Prozent der 17.000 Hektar großen Rebfläche Sloweniens. Ganze 130 Hektar, also gerade einmal die Größe von 130 Fußballfeldern, finden sich verstreut über ganz Slowenien.

Ein großflächiger Weinanbau nach ökologischen Prinzipien stellt ein großes Risiko dar. Deswegen erweitern nur einige wenige Winzer ihre konventionelle oder integrierte Erzeugung um die Produktion von Ökoweinen. „Ökologisch produzierende Winzer sind Enthusiasten und Idealisten. In manchen Jahren fällt ihnen die gesamte Produktion aus“, sind sich die Landwirtschaftsexperten der Universität  Maribor einig.

 

Teresa Heiß, Simone Sauter, Anne Bormann, Phi Tran, Lisa Geiger, Ann-Kathrin Geller, Rosenstein-Gymnasium Heubach

 

Žan Petek, Nino Kovačič, Katarina Lešnik, Maja Lešnik, Polona Sajko, Tamara Mohorko      ; Gymnasium Ptuj

 

Foto 11:

Traubenverkostung in Meranovo: Die gemischte Arbeitsgruppen beim Gaumenkitzeln...

 

Foto 12:

...probieren....

 

Foto 13:

...analysieren...

 

 

Foto 14:

...also: Recherche in Meranovo:  Probieren, analysieren, notieren und genießen.

(Fotos: Gerald Hühner)

 

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Text 6:

 

Die Reblaus

Klein, aber gar nicht fein

 

Sie locken Weinliebhaber mit einem verheißungsvollen Namen. „Zur Reblaus“: Klein, aber fein sind diese Lokale zumeist. Doch auf ihren Namensgeber trifft nur Ersteres zu: Die Reblaus ist eine trickreiche und anpassungsfähige Verwandlungskünstlerin. Sie will nicht durch Nehmen und Geben in Einklang mit ihrem Ernährer leben, sondern quält ihren Wirt bis zur Vernichtung. Es ist lehrreich, sich mit ihr zu beschäftigen.

Die Reblaus wurde einst als unauffälliges, schmarotzendes Insekt an nordamerikanischen Wildreben beschrieben, bis sie vor 150 Jahren zusammen mit amerikanischen Reben nach Europa gelangt und europäische Kulturreben befällt. Mit katastrophalen Folgen: Sie zerstört große Teile der damaligen Kulturen, denn europäische Rebsorten sind wehrlos, haben keinen Abwehrmechanismus entwickelt. Der Kampf gegen die Reblaus beginnt.

Direkte Abwehrmaßnahmen wie Bodenflutung oder Insektizideinsatz bleiben erfolglos, genauso wie biologische Bekämpfungsmethoden, zum Beispiel mit Raubmilben. Der Durchbruch kommt erst mit den Pfropfreben. Man erzeugt sie durch Verwendung einer „Unterlage“, die über die natürliche Abwehr der ursprünglichen Wirtspflanze verfügt: Die wilde Amerikanerrebe, sie ist tolerant gegen Wurzel-Rebläuse. Auf diese Unterlage wird ein Edelreis gepfropft, ein Spross, der Blatt-Rebläuse toleriert.                

Das geht lange Zeit gut. Aber seit der Jahrtausendwende herrscht Unruhe: An den Wurzeln von Pfropfreben hat man verstärkt Schäden durch Rebläuse registriert. „Auch an den Reben der slowenischen Karstregion Primorska wurden sie entdeckt“, warnt der Agrarwissenschaftler Stanko Vršič von der Universität Maribor.

Wie geht nun die Reblaus vor, und was macht sie so gefährlich? Die Reblaus saugt an den Wurzeln der Reben und schwächt ihre Vitalität. An den verletzten Stellen können Pilze einfallen und Wurzelfäule bewirken. Die Reben werden in der Entwicklung gehemmt oder sterben ab.

Besonders fatal ist ihr Standortwechsel zwischen Blatt und Wurzel. Die weibliche Wurzel-Reblaus pflanzt sich ungeschlechtlich fort und legt Hunderte von Eiern. Es folgen mehrere Generationen, die letzte überwintert. Am Ende des Sommers entstehen Larven mit Flügelanlagen. Diese „Nymphen“ verlassen den Boden und entwickeln sich zu geflügelten Rebläusen, die auf dem Holz der Reben Eier ablegen. Daraus schlüpfen weibliche und männliche Larven. Nach dem Sexualakt legt das Weibchen in eine Ritze der Rinde ein einziges Ei, das überwintert.

Im Frühjahr entsteht daraus eine neue Reblaus, die durch den Anstich einzelner Blätter die Maigalle auslöst, in die sie Eier legt. Daraus schlüpfen die Blatt-Rebläuse, die neue Gallen an jungen Blättern erzeugen. Die Blatt-Rebläuse vermehren sich ungeschlechtlich, wiederum über mehrere Generationen. Stanko Vršič: „Insgesamt kommen bei unserem Klima jährlich bis zu elf Generationen zusammen“. Einzelne Exemplare wandern zur Wurzel der Rebe. Der Kreislauf ist geschlossen.

Der vielgliedrige Entwicklungszyklus birgt die Möglichkeit zur genetischen Veränderung, so dass sich ganz neue Rassen bilden können. So werden dann ursprünglich tolerante Unterlagen plötzlich anfällig. „Tolerante“ Unterlagen können mit dem Befall leben, ohne dass ihre Vitalität leidet. Sie bilden an den beschädigten Wurzeln Verkorkungen aus, die vor eindringenden Fäulniserregern schützen. Anfällige Unterlagen können diesen Schutz nicht ausbilden. Dagegen besitzt eine resistente Pflanze die genetische Anlage, dem Parasitenangriff widerstehen zu können. Die derzeit einzige reblausresistente Unterlage mit Namen Börner ist eine neue Kreuzung aus amerikanischen Wildrebenarten.

Die Reblaus wird sich nicht geschlagen geben. Sie wird weitere Winzergenerationen bedrängen, aber auch Agrarwissenschaftlern einen sicheren Arbeitsplatz garantieren.

 

Philipp Unfried, Johannes Müller, Benjamin Ulmer; Rosenstein-Gymnasium Heubach

 

 

Foto 15:

Reblausbefall: Gallen an der Unterseite eines Blattes (Foto: Vid Izlakar)

 

Foto 16:

Dr. Stanko Vršič von der Uni Maribor präsentiert den Unterschied: Reblausfreie (links) und –befallene Weinblätter (Foto: Gerald Hühner)

 

Foto 17:

Schüler aus Heubach (links) und Ptuj untersuchen das von der Reblaus befallene Blattwerk...

 

 

Foto 18:

...auch im Detail (Fotos: Gerald Hühner)

 

 

Weitere Fotos zur Ansicht/Auswahl im Internet:

Landwirtschaftliche Fakultät Uni Maribor: www.dasan.de/gimptuj/we2.htm

Weingut Meranovo: www.dasan.de/gimptuj/we3.htm